643074_original_R_K_B_by_twinlili_pixelio.de.Herzen   ‚Donnerwetter‘ dachte ich so bei mir, ‚was Wissenschaftler so alles erforschen.‘ Manchmal entbehrt es ja nicht einer gewissen Komik, wenn Wissenschaftler nach jahrelangem Mühen und mit viel Arbeitsaufwand Dinge herausfinden, die wir alle eigentlich schon immer wussten. Trotzdem ist es andererseits natürlich interessant, wenn hochwissenschaftliche Beweise für allgemein bekannte Fakten des Lebens vorgelegt werden. Kürzlich musste ich sehr schmunzeln, als zwei junge US amerikanische Wissenschaftler, die nach langem Forschen und viel Arbeit ein Computerprogramm entwickelt hatten, dass die Beweisbarkeit der Existenz Gottes berechnen sollte, verkünden mussten, dass ihr Programm einen schlüssigen Beweis für die Existenz Gottes errechnete und nach den Gesetzen der Logik bewiesen hat, dass es Gott geben muss. Ich denke, sie versuchen nun sicher emsig, ein Programm zu entwickeln, dass zum Beweis des Gegenteils in der Lage ist.

Aber das nur am Rande. Jetzt geht es mir um einen Artikel über die Arbeit eines Tübinger Neurobiologen, der die Zusammenhänge von Liebe und Sucht untersucht hat.

Liebe macht süchtig, hat der herausgefunden! „Ja du lieber Himmel“ bin ich da versucht zu rufen, „guter Mann, wo waren sie denn, als in der Schule die griechischen Sagen besprochen wurden?“ Kriege, Raubzüge, Völkerwanderungen und mehr wurden der Liebe wegen schon veranstaltet. „Haben sie denn ihren Goethe nicht gelesen?“ Von anderen Schriftstellern der Klassik und der Moderne, die sich mit dem Thema Liebe auseinandergesetzt haben ganz zu schweigen. „Die Verse Petrarcas, sind ihnen die niemals untergekommen? Oder die Operette ‚Land des Lächelns‘ zum Beispiel:

“Dein ist mein ganzes Herz,
wo du nicht bist kann ich nicht sein,
so wie die Blume welkt,
wenn sie nicht fühlt den Sonnenschein..?“

Es gibt ja fast nichts, was Männer der Liebe wegen nicht schon unternommen haben. Frauen sind da ein wenig zurückhaltender, aber vom Giftmord bis hin zum Gang ins Kloster war auch schon alles dabei.

Wie auch immer, nun haben wir den wissenschaftlichen Beweis. Bei Verliebten werden, wenn sie das Bild ihres Partners sehen, die gleichen Gehirnregionen aktiviert, wie bei Süchtigen, die ihr Suchtmittel sehen. Sucht ist mit Bindung eng verwandt und sowohl bei der „Bindung“ an einen Partner, als auch bei der „Bindung“ an ein Suchtmittel finden Umbauten im Zentrum des Belohnungssystems in unserem Gehirn statt, die vor allem die Dopamin Rezeptoren betreffen. Dopamin löst Glücksgefühle aus und mit diesen Veränderungen der Rezeptoren geht einher, dass Sucht und Liebe auf gleiche Weise abhängig machen, also auch Entzugserscheinungen auslösen.

Das hat der Heidedichter Hermann Löns sicher auch schon gewußt, als er schrieb: „Rosemarie, Rosemarie, sieben Jahre mein Herz nach dir schrie.“

Was mir an Wissenschaftlern mitunter nicht gefällt, ist die Tatsache, dass ihnen offensichtlich nichts heilig ist. Der Interviewer des Artikel fragt den Herrn Doktor: "Im Volksmund ist die Liebe eine Herzensangelegenheit. Widerlegen Ihre Forschungen diese Meinung, geht die Liebe also durchs Gehirn?“ Die Antwort macht mich ein wenig traurig. „Wir wussten ja schon immer,“ sagt er da, der gute Doktor, „dass alle unsere Empfindungen im Kopf stattfinden, auch wenn sie teilweise in den Körper projiziert werden, wie etwa die Schmetterlinge im Bauch.“ Das ist alles richtig, möchte man dem Wissenschaftler entgegnen, aber waren sie denn noch nie verliebt?

Schmetterlinge im Bauch sind mir heilig, sie sind eine der schönsten Sprachschöpfungen unserer Zeit. Die lasse ich mir nicht kleinreden!

Aber ansonsten gibt es auch noch Tröstliches von der Wissenschaft in Sachen Liebe zu berichten. Ein Liebender strebt ebenso danach, die Dosis zu erhöhen, wie ein Süchtiger. Danke liebe Wissenschaft, das hätten wir dann nun auch geklärt – ich verstehe mich jetzt besser. Ansonsten möchte ich noch folgende Bitte an euch Wissenschaftler richten:

Lasst die Liebe bitte da, wo sie hingehört, im Herzen!

 

 

Foto: twinlili/pixelio.de

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