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Mein Freund Piet und die Sache mit dem Kind

96661_original_R_by_R. B._pixelio.deIn der letzten Zeit habe ich meinen Freund Piet kaum noch gesehen. Unsere regelmäßigen Versuche, an seinem Küchentisch bei einem Glas trockenem Roten die Welt zu ordnen, sind seltener geworden. Das liegt sicher auch an der Jahreszeit. Bei schönem Wetter, auf dem Rückweg von einem ausgedehnten Hundespaziergang, einen kleinen Abstecher zu Piets Haus zu machen, ist etwas anderes, als bei Dauerregen mit einem nassen, schlammbespritzten Hund Piets Küche zu stürmen und seiner Frau Adelgunde blankes Entsetzen ins Gesicht zu malen. Vor Weihnachten musste aber doch nochmal ein Treffen sein, als Jahresabschluss sozusagen.

Um den Haussegen bei Piet nicht nachhaltig zu beeinträchtigen, haben wir kurzerhand die Regeln geändert. Anstelle der Küche wurde Piets Werkstattschuppen unser Treffpunkt. Da steht zwar keine gemütliche Eckbank, aber eine Werkbank, auf der zwei junggebliebene Rentner durchaus auch mal sitzen können. Der gemütlich bullernde Holzofen wurde durch einen Propangasheizstrahler ersetzt und statt eines trockenen Rotweines, schienen uns ein paar Flaschen friesisch herben Gerstensaftes dem Ambiente angemessen. Unser Hund Choppie wäre zwar lieber weiter im strömenden Regen über Piets Obstwiese getollt, aber mit einem Platz vor der Werkbank war er dann auch zufrieden.

Plopp, Plopp! Das war zunächst alles, was anstand, gefolgt von dem klirrenden Geräusch zweier aneinander gestoßener Flaschen und einem lauten „Prost!“ aus zwei durstigen Männerkehlen. Dem obligatorischen „Ahhh“ folgte dann ein zweistimmiges Lachen.

Wie früher,“ sagte Piet grinsend, „als wir noch nicht so seriös und von staatstragendem Ernst befallen waren.“

Jo!“ konnte ich da nur antworten, „Früher waren wir sicher beide viel lockerer, aber früher war eben alles auch viel früher.“

Und?“ fragte Piet, „Alles vorbereitet und die Geschenke verpackt, für den Kindergeburtstag?“

Kindergeburtstag? Einen Moment stutzte ich, was Piet mir wohl angesehen haben muss. Er hob die Hand, wie er es immer dann tut, wenn er etwas Wichtiges sagen will.

Ja, Kindergeburtstag. Schau mich nicht so entgeistert an, es ist doch nichts anderes.

Wie verrückt strömen Männlein und Weiblein wochenlang ist die Geschäfte und Kaufhäuser, gucken hier, schauen da, wühlen auf Tischen und in Regalen. Kühlschränke und Kammern werden vollgepackt. Es wird gekocht und gebacken, was Herd und Ofen zu leisten vermögen. Dann wird gefeiert! Mit Fressen, als ob es nie wieder etwas gäbe, die Tische beladen, dass sich die Platten biegen. Mit Punsch, Wein, Bier und Schnaps, geheuchelter Freundlichkeit und manch handfestem Streit. Und warum das alles? Weil vor ungefähr 2.000 Jahren irgendwo ein Kind geboren wurde. Ich könnte auf all das gerne verzichten.“

Nach dieser Ansprache brauchten wir beide erst nochmal ein weiteres Plopp. Nach einem tiefen Zug aus unseren Flaschen wagte ich einen vorsichtigen Einwand.

Schau Piet,“ sagte ich zögernd, „dieser Kindergeburtstag, wie du es nennst, hat aber doch für Millionen Christen eine tiefe Bedeutung. Sie feiern die Geburt Jesu als Versöhnungsangebot Gottes mit dem er ihnen nicht nur die Hand entgegengestreckt hat, sondern gleich selbst gekommen ist.“

Ein bitteres Lachen war Piets Antwort und dann legte er richtig los.

Versöhnungsangebot? Was für ein Hohn! Wenn der da oben uns Menschen geschaffen hat, dann muss ihm doch bewusst gewesen sein, was für Monster er da ins Leben gerufen hat. Hass, Neid und Gier, Gedankenlosigkeit, Gewalt mit Worten und Taten, das ist es, womit seine Geschöpfe die Welt überziehen. Millionenfach lassen Zeitschaltuhren elektrische Kerzen aufleuchten, blinkende Lämpchen machen Gärten und Bäume zu flimmernden Wohlstandssymbolen und während andernorts gehungert, gefroren und gestorben wird, muss hier die Müllabfuhr Sonderschichten einlegen um den Verpackungsmüll von all den – meist überflüssigen – Geschenken zu entsorgen. Was der da oben ins Leben gerufen hat, macht es mir wahrhaftig schwer, mich mit dem Gedanken an eine Versöhnung anzufreunden. Frankenstein hätte ich mir auch nicht als meinen Freund ausgewählt. Dass er angeblich vor 2.000 Jahren als Kind dann selbst auf die Welt gekommen ist, um alles wieder zu richten, mag manch rührseligem Zeitgenossen zwar eine Feier wert sein, aber mir ist gewiss nicht danach. Wenn es für mich etwas zu feiern gäbe, dann eher den Jesus, der auf dem Berg diese ernsten Worte gesprochen hat.“
Nun wurde Piet wieder etwas ruhiger und begann mit ernstem Gesicht zu zitieren:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen;
denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

Mir verschlug es erst einmal die Sprache. Das hatte ich von Piet nicht erwartet. Ich hatte ihn als jemanden kennengelernt, der die Sache mit Gott und vor allem mit der Kirche seiner Frau überließ, während er selbst lieber zu Jagd ging oder allenfalls bereit war, mal mit seiner Bläsergruppe eine kirchliche Veranstaltung zu bereichern. Ich muss wohl wieder sehr verdutzt aus der Wäsche geschaut haben, denn Piet sah mich nun lächelnd an.

Es ist zwar schon viele Jahrzehnte her, aber auch ich war mal im Konfirmandenunterricht. Im Gegensatz zu den heutigen Konfirmanden mussten wir auswendig lernen, jede Menge Bibelverse und Abschnitte aus dem Katechismus. Davon ist schon noch ein wenig hängen geblieben.
Aber mal ganz im Ernst, die schöne Geschichte von Ochs und Esel, vom Stall, von einer Futterkrippe und von Hirten kann doch nicht im Ernst Gottes Lösungsvorschlag für die Misere sein, die er selbst angerichtet hat. Erst erschafft er ein Lebewesen, dass grausamer sein kann, als alles, was die Natur sonst so zu bieten hat, und dann schickt er ein Kind, um alles zu richten?

Nein, nein, mein Lieber. Der Jesus, der die Händler und Wechsler aus dem Tempel geworfen hat, der gesagt hat, er sei gekommen, um das Schwert zu bringen und der auf dem Berg die Sanftmütigen und Friedfertigen zum Ziel menschlicher Entwicklung erklärt hat, mit dem könnte ich mich anfreunden. Der hätte es von Anfang an sein müssen. Leider ist all das ohne Konsequenzen geblieben. Schau dir die Welt an und du weißt, dass nicht besser, sondern alles schlimmer geworden ist. Einen Feldherrn hätte es gebraucht, der mit aller Macht dafür hätte sorgen können, dass diese verkorkste Welt in Ordnung kommt.“

Jetzt war ich gehörig in der Klemme. All die frommen Erklärungen, dass Gott dem Menschen einen freien Willen gab und es die ureigene Entscheidung eines jeden Menschen ist, nach dem Guten zu streben oder dem Bösen Raum zu geben, dass erzwungene Friedfertigkeit nicht den Hass aus den Herzen entfernt, dass verordnete Sanftmütigkeit nicht zornige Gedanken verhindert und das gesetzlich vorgeschriebene Barmherzigkeit so wie die Einkommensteuer wäre, die jeder zwar zahlt, aber mit Zähneknischen und so wenig wie möglich, all das würde Piet nicht sehr beeindrucken, das war mir klar. Ein paar Minuten lang herrschte Schweigen in Piets Werkstattschuppen.

Nach einer Weile sagte ich dann leise: „Ich gebe zu, mein lieber Freund, für manches habe ich keine Erklärung und manche Frage werden wir wohl nie beantworten können, aber ich glaube, es musste ein Kind sein.“

Das musst du mir schon erklären.“ war Piets Antwort, „Und komm mir nicht mit irgendwelchen Prophezeihungen aus dem alten Testament. Geschichten werden nicht dadurch glaubwürdiger, dass sie als Beweis für sich selbst herangezogen werden.“

Nein, Piet, daran dachte ich gar nicht. Aber stell dir nur mal vor, jemand käme mit Pauken und Trompeten begleitet aus dem Himmel herab und würde dir mit erhobenem Finger sagen, was du alles falsch machst und dir erklären, wie du es künftig zu machen hast. Ich jedenfalls wäre nicht sonderlich erfreut. Wahrscheinlich würde ich demjenigen sagen, dass er keine Ahnung hat, wie es ist, in meiner Haut zu stecken. Ich würde ihm wohl empfehlen, doch erst einmal eine Weile in meinen Schuhen zu laufen, zu schwitzen, Sorge um den Arbeitsplatz zu haben, Ärger mit den Nachbarn zu haben, einsame Nächte zu durchleben, zu frieren, Hunger zu haben, mit der Sorge zu leben, dass vielleicht irgendein Wahnsinniger den nächsten großen Krieg anzettelt, Ungerechtigkeiten zu ertragen, Ablehnung und Spott einzustecken und sich in einer rauen Welt behaupten zu müssen, dann könne er nochmal mit seinen klugen Sprüchen vorbeikommen.

So war das aber nicht.

Du magst vielleicht nicht daran glauben, dass uns in Jesus Gott selbst entgegengekommen ist, aber wenn es ihn gab, dann wirst du mir sicher zustimmen, dass ihm nichts Menschliches fremd geblieben ist. Die Ängste eines Säuglings, verlassen zu werden, jedesmal, wenn die Mutter aus dem Blickfeld verschwindet, vollgepieselte Windeln, Hunger, Streit mit anderen Kindern, die Mühsal von Schule und Lernen, den Hammer auf dem Daumen in der Zimmermannslehre bei seinem Vater, Spott, Ablehnung, Schmerz, Gefangenschaft, die Versuchung und Verlockungen von Besitz und dem Wunsch nach mehr, Folter, Einsamkeit, all das war ihm vertraut, er kannte und verstand es. Und trotzdem hat er diese Worte der Bergpredigt gesprochen, die dich so beeindruckt haben. Ich sag es mal so, er war einer von uns und hat uns gezeigt, dass es auch anders geht, hat uns vorgelebt, wie Sanftmut und Barmherzigkeit, Liebe und Mitmenschlichkeit funktionieren.“

Nun ja…“ sagte Piet etwas zögerlich, „So kann man es wohl auch sehen. Aber bevor du jetzt ‚Ihr Kinderlein kommet‘ anstimmst oder mir gar noch mit Karfreitag und Ostern kommst, lass uns lieber nochmal dem fröhlichen Plopp lauschen. Meinetwegen können wir auch schon mal auf den Kindergeburtstag anstoßen.“

Grinsend reichte Piet mir eine neue Flasche des friesisch herben Gerstensaftes.

So ist er, mein Freund Piet. Er sucht und findet immer das Verbindende.

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Foto: R.B. / pixelio.de

 

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Vergessen?

Poesieworkshop Flüchtlinge

Jamika ist gerade sehr aktuell, das Ende der großen Koalition immer ein paar Zeilen wert und die AfD sowieso. Nebenbei auch noch Europa, der Brexit ein klein wenig, aber die Vorschläge und Pläne des französischen Präsidenten dafür etwas mehr. Natürlich Trump, immer wieder Trump, seine Twitterkaden, seine Lügen und das Scheitern seiner großspurig verkündeten „Reformen“. Außerdem sein ebenso unberechenbarer Raufkumpan Kim.

Das alles mag wichtig sein, vor allem auch die bestürzenden Nachrichten über große Naturkatastrophen. Es hat seinen berechtigten Platz in der täglichen Berichterstattung, aber indem es diesen Platz auf den Titelseiten und den Schlagzeilen einnimmt, verdrängt es andere Nachrichten, die wir nicht aus den Augen verlieren dürfen.

In Afghanistan wird immer noch gekämpft, fast täglich gibt es blutige Anschläge und bewaffnete Auseinandersetzungen. Dass die USA ihr Truppenkontingent dort massiv aufstockt, sollte Beleg genug sein. In Syrien tobt nach wie vor ein erbitterter Krieg, im Irak spitzt sich die Auseinandersetzung um einen autonomen kurdischen Staat zu, aus Myanmar sind mittlerweile eine halbe Millionen Menschen nach Pakistan geflüchtet, um Verfolgung und Tod zu entgehen. Hunger und Naturkatastrophen bedrohen weltweit viele Millionen Menschen, die täglich um ihr Leben bangen.

Vielleicht wollen wir das alles ja gar nicht mehr sehen, nicht mehr wissen oder doch zumindest nur beiläufig als etwas zur Kenntnis nehmen, das sich unserem Einfluss und damit unserer Verantwortung entzieht. Ich kann das nicht und ich will das auch nicht!

Seit Monaten habe ich auf meinem Handy die berührenden Zeilen eines achtzehnjährigen Flüchtlings als Memo gespeichert, das mir regelmäßig immer wieder ins Gedächtnis ruft, was wichtig ist.

Existenz

Der Beginn des Lebens war,
dass ich nicht existierte.
Es gab eine Mutter.
Sie war mein Gott.
Es war eine einseitige Liebe.
Es gab einen Vater.
Er war nie da.
Der Körper kam zur Ruhe,
nicht der Geist.
Ich blieb ohne Trost.
Die Schwester wollte mir die Mutter sein.
Aber sie war müde.
Ich liebte die Mutter.
Sie starb.
Ich wollte gehen
und ich blieb.
Ich wollte bleiben
und ich ging.
Nicht das Gehen war wichtig
und nicht das Bleiben.
Ich war wichtig,
der ich nicht existierte.

Mohamad Mashghdost, 18 Jahre alt

Wann immer ich diese Zeilen lese, möchte ich diesem jungen Mann und all den vielen verfolgten, flüchtenden, leidenden, hungernden und sterbenden Menschen zurufen:

Ja, du bist wichtig!

Ich werde euch nicht retten können, ich kann nur so wenig tun, aber ich werde euch nicht vergessen.

Meine kleinen Spenden an Hilfsorganisationen, meine Unterschriften unter Petitionen, mein Versuch, euch immer wieder in meine Gedanken und das Bewusstsein meines Umfeldes zurückzuholen, mögen weniger als ein kleiner Tropfen und unbedeutender als ein einzelnes Sandkörnchen am Ufer des Meeres sein, aber ich bin nicht allein. Wir sind viele Sandkörner die irgendwann zu einer Lawine anwachsen können. Wir sind viele Tropfen, die bereit sind, zu einer großen Welle anzuwachsen, die gesehen wird und Wirkung haben wird. Daran will ich glauben!

Foto: Poesie junger Flüchtlinge - SPIEGEL

Was wähle ich?

heiwa

In Kürze haben wir mal wieder die Wahl und stehen damit vor der Frage, was wir denn wählen wollen, können oder sollten. Zweiundvierzig Parteien stehen zur Wahl und man sollte meinen, dass sich doch unter soviel Angeboten eines finden ließe, das uns nicht den schlechten Nachgeschmack hinterlässt, uns zwischen Cholera oder Pest entschieden zu haben. Ein Angebot, das uns beruhigend suggeriert, im Zweifelsfall allenfalls für eine leichte Grippe verantwortlich zu sein. Es ist wahrhaftig nicht einfach, diese nur alle vier Jahre bestehende Möglichkeit zu wählen und damit die Richtung für die nächsten Jahre mitzubestimmen, verantwortungsvoll zu nutzen.

Ich wünschte mir sehr, ich könnte meine Stimme den wirklich wichtigen Dingen geben, aber die stehen nicht auf dem Wahlzettel.

  • Liebe
  • Frieden
  • Gerechtigkeit
  • Mitmenschlichkeit
  • Barmherzigkeit

Das wäre meine Wahl, aber diese Dinge stehen nunmal nicht zur Wahl. So wie die wirklich wichtigen Dinge im Leben meist nicht zur Wahl stehen, sondern von uns selbst verwirklicht werden wollen und müssen.

Nehmen wir als Beispiel einmal die Liebe. Ob wir sie als Gefühl, als Handlungsrichtschnur, als Konzept oder als „way of life“ sehen, sie zu wählen bedeutet gar nichts. Sie auszuleben und damit Wirklichkeit werden zu lassen, das ist der einzig gangbare und erfolgversprechende Weg.

Überhaupt verhält es sich eigentlich mit all den genannten Dingen, die ich gern wählen würde, ganz genau so. Wir alle wünschen uns Liebe, Frieden und Gerechtigkeit! Vor allem natürlich für uns und die Unsrigen. Da genau liegt das Problem. Entweder sie gelten für alle oder sie sind inhalts- und wertlos.

Nun könnte ich vielleicht die Programme aller zur Wahl stehenden Parteien durchforsten und versuchen herauszufinden, welche Partei wohl eher geneigt oder fähig sein könnte, die Dinge, die mir wichtig sind, zu verwirklichen. Aber das wäre natürlich Blödsinn!
Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit sind nicht an Parteien und nicht an Wahltermine gebunden. Sie stehen immer zur Wahl und wollen täglich beachtet und verwirklicht werden.
Genauso, wie sie ihren Inhalt und Wert verlieren, wenn sie nicht für alle gelten und nicht allen zugestanden werden, haben sie auch keinen Wert, wenn sie nur ab und zu mal in den Vordergrund gerückt werden.

Wir wählen Politiker und erwarten, dass sie sich vier Jahre lang täglich für unsere Belange und unser Wohlergehen einsetzen.

Die Liebe, die Gerechtigkeit oder die Mitmenschlichkeit, wählen uns für ihre Verwirklichung und sie begnügen sich nicht mit einer Wahlperiode von beliebiger Dauer, sondern verlangen jeden einzelnen Tag unseres Lebens für ihre Verwirklichung. Sie wollen den ganzen Menschen damit sie uneingeschränkt herrschen können. Ein sehr hoher Anspruch und ich bin sehr froh, dass die Barmherzigkeit mit im Boot ist.

 

Bild: Heiwa = Frieden / Sabine Adameit http://arts-of-emotions.de/

Der Abschied vom Verstehen

Jenseits-Projekt

Wenn die Menschen die Wahl haben zwischen den Theorien fehlbarer Menschen und den unfehlbaren Offenbarungen eines allwissenden Gottes, sind sie geneigt, dem begrenzten menschlichen Verstand den Vorzug zu geben.
(Papst Franziskus – Das Jenseits Projekt)

Der Physiker Hans-Peter Dürr, langjähriger Mitarbeiter Werner Heisenbergs, schrieb in seinem Buch „Geist, Kosmos und Physik“ auch über unsere Unfähigkeit, die Welt als Ganzes zu sehen und zu verstehen. Unter der Überschrift „Erkennen verändert die Welt“, schrieb er:

„Wenn wir von der Welt sprechen, in die Welt hineinsehen, dann vergleichen wir unsere Bilder miteinander und sind oft verschiedener Meinung. Wir machen den Fehler zu glauben, dass das, was jeder von uns in dieser Welt sieht, dasselbe ist, das auch der andere sieht. Aber es ist durch unsere spezielle Wahrnehmung gefiltert und deformiert. Denn dort, wo wir empfindlich sind, nehmen wir mehr wahr, und dort, wo wir unempfindlich sind, nehmen wir überhaupt nichts wahr. Das heißt, die wahrgenommene Welt ist eine ganz andere als die Welt da draußen.“

Unser menschlicher Drang zu erkennen, unsere große Sehnsucht danach, zu wissen und zu verstehen, haben uns an einen Punkt geführt, der unser Begriffsvermögen bei weitem übersteigt. So kommt der berühmte Physiker Dürr denn auch zu dem Fazit:

Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen. Die Wissenschaft hat ihre Vorrangstellung eingebüßt. Wir haben immer gemeint, wir Wissenschaftler können sagen, was ist und was nicht ist. Jetzt müssen wir aber einsehen, dass auch wir streng genommen in Gleichnissen reden müssen.“

Das kann den menschlichen Geist auf Dauer nicht befriedigen. Wenn Dürr schreibt, „wir wollten die Welt in den Griff bekommen“, dann beschreibt das den menschlichen Wunsch, der schon in der biblischen Überlieferung mit den Worten „sein wie Gott“ beschrieben wird.

Der Mensch, am Ende seiner Erkenntnismöglichkeiten angelangt steht vor dem Dilemma, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint. Wie Dürr als Fazit seiner Forschungen es ausdrückt – es gibt keine Teile, die es zu erforschen gilt, sondern nur die Welt als das Eine und Ganze. Keine Materie, sondern nur Energie, Wellen, die innere Formen oder Gestalten bildet. Er nennt diese Erkenntnis den Abschied vom endgültigen Verstehen.

Was vielleicht bleibt, ist der Versuch, sich dieser Energie, der wir den Namen „Gott“ geben könnten, zu nähern und so unseren begrenzten Erkenntnishorizont zu überwinden.

Mehr zum Buch „Das Jenseits Projekt“ 

Only Fake News are good News!?

isso.blog

Gedanken haben den großen Vorteil, dass sie frei in Zeit und Raum springen können. Das will ich ausnutzen und mit Dir einen kurzen Sprung zurück in die 70er Jahre zu machen.

Es sind wilde und spießige Zeiten zugleich. Die Tradition wird von Hippies, der Mode und obskuren Ansichten von freier Liebe und duftenden Hanfwolken geschockt.

Mit drei Fernsehprogrammen und Charts aus dem Radio sind wir kommunikativ im Vergleich zu heute recht eingeschränkt.

Es gibt keine Internetportale über die wie uns selbstdarstellen können. Es gibt noch nicht mal PCs oder gar Smartphones.

Aber hast Du schon gehört?

Der Thomas, der mit dieser älteren Brünetten aus dem Supermarkt zusammen ist, mit dem stimmt etwas nicht!

Wenn man im Gespräch auf seine alte Heimat und Familie zu sprechen kommt weicht er völlig aus und windet sich wie ein Aal, bis er es schafft, sich der Situation zu entziehen.

Ralf hat erzählt, er sei…

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