Vor einiger Zeit hat sich eine neue Redewendung etabliert: “Danke für nichts!” Ihren Ursprung hat sie wohl in einigen US-amerikanischen Kinofilmen, und wie so oft, hat sich, mit etwas zeitlicher Verzögerung, dieser Spruch auch hier breitgemacht.
Zwar geht es in den Filmen jeweils darum, jemandem für einen “Bärendienst” zu danken, eine unterlassene Hilfe oder einen schlechten Rat, aber mir scheint dieser Satz doch symptomatisch zu sein für eine weit verbreitete Grundhaltung: Mein Leben ist das, was ich daraus mache, Erfolg habe ich durch meinen persönlichen Einsatz, meine eigene Leistung. Meine glückliche Ehe begründet sich in meiner klugen Partnerwahl und meine gesunden Kinder haben ihren Ursprung in meinen “Qualitätsgenen”.

Wofür also dankbar sein und vor allem wem?

Über Twitter bekam ich heute den Link zu einem Video bei YouTube. “Thank you” ist der Titel und es handelt sich um einen Song der Gruppe “Katinas”, der in diesem Video mit wunderschönen Bildern unterlegt wurde.

In diesem Song geht es darum, Gott zu danken. Für alles Schöne im Leben, für Sonnenschein und Regen, für das größte Geschenk im Leben, die Kinder und für seine Gegenwart auch in miesen Momenten.
Dankbarkeit ist eine der wichtigsten Zutaten für ein glückliches, zufriedenes Leben. In dieser kleinen Geschichte kam das hier ja schon einmal zur Sprache.

Nun mag der eine oder andere meiner geschätzten Leser zwar vehement protestieren und behaupten, das “Konzept Gott” sei heute nicht mehr relevant. Da kann ich dann nur zustimmen! Ich persönlich glaube auch nicht an das “Konzept Gott” sondern an einen real existierenden Gott. Ein großes, kaltes und leeres Universum, in dem wir einsam und verloren unsere Lebenszeit absitzen, ist für mich keine Alternative.
Deshalb ist ein “Danke für nichts!” auch keine Option für mich. Eher ein “Danke für alles!”, denn es hat mich zu dem werden lassen, der ich bin.

Wie wär’s mit einem Versuch? Eine kleine Portion Dankbarkeit für jeden Tag?

WordPress bietet ja rund um die Blog Site allerhand Nützliches und auch so manchen Schnickschnack an, mit dem ich meine Zeit nicht verschwenden möchte. So werden z.B. alle Suchbegriffe gespeichert, mit denen irgendjemand über Google oder eine andere Suchmaschine auf meine Seite gefunden hat.
Im Allgemeinen ist mir das ziemlich gleichgültig, wonach jemand ursprünglich gesucht hat, wenn er dann irgendwann auf meine Seite stößt – schließlich will ich hier ja nichts verkaufen. Gestern fiel mir jedoch eine Suchanfrage auf, die mich zum Schmunzeln gebracht hat.

“eine ede zu einem selbst gedachtes märch”

suchte da jemand und landete mit dieser Anfrage auf meinem Blog. Zunächst dachte ich mir, das kann nur ein Fehler in den Google Suchroutinen sein, schließlich gibt es bei mir weder einen Ede,

Edenoch eine ede!

Bettina Ede

Die findet man anderswo (mit einem Klick auf das Bild zu beweisen)!

Dann wollte ich aber doch wissen, wieso jemand auf meine Seite stößt, wenn er nach “eine ede zu einem selbst gedachtes Märch” sucht. Interessanterweise taucht mein Blog in den Suchergebnissen bei Google erst auf Seite 22 auf. Das bedeutet also, jemand ist über 200 Suchergebnisse durchgegangen (vielleicht sogar alle angeklickt?) und hat sich dann entschieden nach seiner/ihrer “ede für das märch” bei mir Ausschau zu halten.
Fündig geworden ist er oder sie bei mir sicher nicht! Da ich aber Menschen in ihren Hoffnungen und Wünschen nur ungern enttäusche, hier die Bitte an alle geneigten Leser:
Sollte “ede für das märch” Ihnen bekannt sein, Ihnen über den Weg laufen, oder sollten Sie gar selbst “ede” sein: Bitte bei mir melden!

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Wunderpillen, so ein Blödsinn, wird mancher vielleicht denken und vermuten, dass ich jetzt völlig aus der Spur geraten bin. Die folgende kleine Geschichte soll aufzeigen, dass diese “Wunderpillen” tatsächlich existieren – jeder kann sie bekommen und ihre Wirkung testen.

Ein Arzt besuchte regelmäßig seine Patienten im Seniorenheim. Dabei fiel ihm ein 96jähriger Mann auf, der stets einen zufriedenen und freundlichen Eindruckpillen1 machte. Eines Tages sprach der Arzt diesen Mann darauf an und fragte ihn nach dem Geheimnis seiner Freude. Lachend antwortete der Mann: “Herr Doktor, ich nehme jeden Tag zwei Pillen, die helfen mir!” Erstaunt schaute ihn der Arzt an und fragte: “ Zwei Pillen nehmen sie täglich? Aber die ich habe Ihnen doch gar nicht verordnet!” Verschmitzt lachend antwortete dieser Mann: “Das können Sie auch gar nicht, Herr Doktor. Am Morgen nehme ich gleich nach dem Aufstehen die Pille Zufriedenheit. Und am Abend, bevor ich einschlafe, nehme ich die Pille Dankbarkeit. Diese beiden Arzneien haben ihre Wirkung noch nie verfehlt.” (H. Bezzel)

Täglich begegnen mir Menschen (real und auch über Webdienste), die vor Elan nur so strotzen. Sie planen, rackern, schaffen und scheffeln, dass die Späne fliegen. Der Optimismus steht ihnen ins Gesicht geschrieben, und ihr zweiter Vorname ist Erfolg! Nur Freude, echte Freude begegnet mir recht selten. Da liegt mir manchmal die Frage auf der Zunge: “Haben Sie heute vergessen Ihre “Pillen” zu nehmen?
Ich empfehle jedem die “Wunderpillen” – eine morgens und eine abends! Ist doch gar nicht so schwer, oder?

 

Meine Frage an den geneigten Leser: Was brauchen wir wirklich? Ich meine wirklich “wirklich”! All die technischen Neuheiten, Errungenschaften und Spielereien, die heute jeder hat, haben sollte oder haben will – was davon ist tatsächlich wichtig für jeden von uns? Natürlich nutze ich die modernen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, -verarbeitung und -verteilung; ich bin froh, dass es sie gibt. Ein bissl unwohl fühle ich mich allerdings dann, wenn Weiterentwicklungen, Verbesserungen und Neuheiten in diesem Sektor schneller auf den Markt geworfen werden, als ich lernen kann, alle vorhandenen Möglichkeiten vollkommen auszuschöpfen.

Liegt das an mir? Bin ich schon zu alt, zu unbeweglich, nicht mehr aufgeschlossen genug, um mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten? Ist es Ignoranz, wenn ich glaube, es ist gut und richtig, mit dem zufrieden zu sein, was mir rundherum perfekte Arbeitsmöglichkeiten bietet, und mich deshalb manchen Neuerungen, die man “unbedingt haben sollte” einfach verweigere?

Jedenfalls habe ich in dem folgenden kleinen Video von Michael Niavarani die Bestätigung gefunden, dass ich nicht der Einzige bin, der eine gewisse Selbstbeschränkung gelegentlich für geboten hält. Ich leiste mir immer mal wieder die Frage: Brauch ich das wirklich?

In seinem Büchlein “Die Zeit” schreibt Étienne Klein über das Wesen der Zeit:

Wie kann man das Sein der Zeit begreifen, obwohl ja die Vergangenheit nicht mehr und die Zukunft noch nicht ist und die Gegenwart schon nicht mehr ist, wenn sie gerade anfängt zu sein? Wie kann es eine Existenz der Zeit geben, wenn sie nur aus solchen Nicht-Existenzen besteht?OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Tatsächlich ist die Zeit eine sehr schwer zu begreifende Sache und Klein kommt denn auch zu dem Schluss, dass es sehr gewagt ist, die Zeit auf eine so wenig reale Realität wie den Augenblick zu gründen. Er schreibt weiter:
Man stellt sich den Augenblick immer als eine Art zeitliches Atom vor, einen unteilbaren Grenzpunkt zwischen zwei Nichtigkeiten. Der Augenblick ist nur ein Schauder und ein Schauder hat kein ontologisches Gewicht. Wenn also, wie es Leonardo da Vinci in seinen “Fragmenten” formulierte, “der Augenblick keine Zeit besitzt”, wie könnte dann die Zeit aus Augenblicken bestehen?
Wie dem auch sei, die Zeit ist jedenfalls immer verschwindend, “Sie zeigt sich stets verneint” wie Marcel Conche in Temps et Destin (Zeit und Schicksal) sagt.

Dieser Augenblick, dem selbst keine Zeit innewohnt, der aber offensichtlich der einzige, für uns wahrnehmbare Bestandteil der Zeit ist und unsere Gegenwart, also unser “Jetzt” ausmacht, stellt uns vor das Problem seiner Identität. Das Jetzt, der gegenwärtige Augenblick, erscheint uns immer als ein und derselbe Augenblick, auf gewisse Weise unveränderlich. Die Gegenwart ist wirklich die einzige Sache, so schreibt É.Klein, die kein Ende hat und die immer… gegenwärtig ist. Im Gegensatz dazu existieren  Vergangenheit und Zukunft nur durch die Gedanken, durch Erinnerungen oder Erwartungen, wir können jedoch nicht über sie verfügen.
Schopenhauer beschreibt das Identitätsproblem des Augenblicks, unserer Gegenwart wie folgt: “Einerseits ist der Augenblick mit sich selbst identisch, andererseits nicht; insofern, als er sich von einem Moment zum anderen verändert, ist er verschieden; was aber den Gegenstand (Augenblick) angeht, so ist er derselbe.” Dieser unüberwindbare Gegensatz zwischen der Beständigkeit des Jetzt und der ihm eigenen Dynamik bringt Étienne Klein zu der Frage: “Wie kann man den Augenblick ausdrücken, wenn in ihm Stillstand und Bewegung nebeneinander existieren?”
Fragen über Fragen bringt das Nachdenken über das Wesen der Zeit mit sich, und der Antworten sind viele. Keine dieser Antworten bringt jedoch für uns letztgültige Klarheit über das Phänomen Zeit. Platons Metapher für die Zeit, dass sie nämlich das bewegliche Bild der unbeweglichen Ewigkeit sei, klingt zwar sehr schön und kommt der Wahrheit sicher sehr nahe. Letztlich entzieht sich dies Bild aber auch der Begreifbarkeit durch unseren menschlichen Verstand. Die Einführung des Begriffes “Ewigkeit” macht die Sache eher noch unbegreifbarer.

Nun will ich den geneigten Leser nicht weiter mit philosophischen Gedanken zu unlösbaren Fragen behelligen, nur eine weitere Frage sei noch erlaubt. In seinen Bekenntnissen hatte sich Augustinus diese bedeutende Frage gestellt: “Wie kann ich gleichzeitig in der Gegenwart existieren und mich dabei ausreichend von ihr zurückziehen, um dem Verstreichen der Zeit gewahr zu werden?”

aktives-gehirnAugustinus vertrat die Auffassung, dass die Zeit nur in der Psyche abläuft,  indem dort das Objekt der Erwartung (die Zukunft) zunächst das Objekt der Aufmerksamkeit (die Gegenwart) und dann das Objekt der Erinnerung (die Vergangenheit) wird. Bergson drückt das mit der Behauptung aus, die Zeit sei eine reine Intuition des Bewusstseins.

Wer mir gedanklich bis hierher gefolgt ist, der wird mit Erleichterung feststellen, dass nun der Weg auf vertrauteres Terrain führt. Dies Augustinische “Zurückziehen aus der Gegenwart” scheint mir eine weitverbreitete Übung zu sein, je mehr wir uns dem Weihnachtsfest nähern. Deshalb nenne ich diese Zeit eine “Zeit der Sehnsucht”. In Anlehnung an die schöne Zeile aus einem Song der Bee Gees “When I was small and christmastrees were tall..” meine ich damit die Zeit der Erinnerungen an vergangene Weihnachtsfeste. Als wir noch Kinder waren, Weihnachten noch einen unvergleichlichen Zauber für uns hatte, Weihnachtsbäume uns noch groß und wunderschön erschienen, mit ihren funkelnden Kugeln, Sternen und Lichtern. Krippe Wer erinnert sich nicht an das kindliche Staunen vor der Weihnachtskrippe und den kunstvoll geschnitzten Figuren? Für mich als Großstadtkind, war das die erste Begegnung mit einem Stall, wenn man einmal von den Kaninchen- und Taubenverschlägen in den Hinterhöfen der Bergarbeitersiedlungen in dieser Ruhrgebietsstadt absieht.
Da gab es diesen winzigen Säugling in einer Futterkrippe, durch den – so hatte man mich gelehrt und so glaubte ich das – alles “wieder gut” geworden sei. Wie konnte es auch anders sein, waren doch das Erinnerungsfest seiner Geburt und all die Weihnachtsherrlichkeiten und Geschenke untrennbar miteinander verknüpft?!
In meiner Erinnerung – und ich lese bei vielen anderen auf ihren Blogseiten ähnliche Gedanken -, hatte das Weihnachtsfest meiner Kindheit auch sehr viel mit der besonderen Atmosphäre in Heim und Familie zu tun. Feierlich gesungene Weihnachtslieder, brennende Kerzen, ein Vater, der zuhause war, nicht müde und abgespannt von der Arbeit. Mutter, die unvergleichlich köstliche Mahlzeiten und Leckereien kochen und backen konnte, Spannung, Vorfreude, von atmosphärischem Knistern begleitete, spannende Hörspiele, die uns Kinder vor dem Familienrundfunkempfänger fesselten – all das ist mir unvergesslich. weihnachtsbaum Und wenn ich dann für einen Moment “aus der Gegenwart zurücktrete” um diesen Erinnerungen nachzuhängen, dann mischt sich auch immer ein klein wenig Sehnsucht in meine Empfindungen. Die Sehnsucht danach, dass es doch noch einmal so sein könnte…, so überschaubar, einfach und strukturiert. Die Weihnachtsbäume waren eben groß, und wir waren klein. Aber diese Sehnsucht macht sehr schnell der inneren Freude Platz. Der Freude darüber, dass es in dieser unüberschaubaren Zeit mit ihren Katastrophen, Krisen und Zukunftsängsten doch etwas gibt, das ein unwandelbar festes und unerschütterliches Fundament für mein Leben ist. Mein Leben, das ja nur aus dem einen, gegenwärtigen Augenblick besteht, der sich unweigerlich permanent verändert.
Ja, Zeit ist immer schwindend und je älter ich werde, umso größer erscheint mir mitunter die “Schwundgeschwindigkeit”. Aber es gibt eben diesen einen, der Herr auch über die Zeit ist und der uns Menschen an Weihnachten so nahe gekommen ist, wie es nur möglich sein kann.

 

 

Wer mich länger kennt, der weiß, dass ich der Sprache und ihrer Handhabung durchaus zugetan bin. Nicht nur um ihrer möglichen Schönheit willen – die mich fasziniert und erfreut – sondern auch um der Möglichkeiten willen, anhand des Sprachgebrauchs die Denkweise und Geisteshaltung des Sprechenden oder Schreibenden näher zu ergründen.

Gestern bin ich bei Twitter über eine Formulierung gestolpert, die mir schon länger zu denken gibt.

mal ehrlich
Nun geht es mir beileibe nicht um den geschätzen @hirnduebel, dessen Tweets ich mag und dessen Blogsite ich gerne lese. Er lieferte nur den aktuellen Anlass für diese Zeilen. 
Es geht mir um die Formulierungen “mal ehrlich”, “ehrlich gesagt” oder “seien wir ehrlich” und ähnliche Sätze. In den letzten Jahren beobachte ich einen zunehmenden, ja geradezu inflationär angestiegenen Gebrauch solcher Formulierungen im täglichen Umgang miteinander. Natürlich weiß ich, dass derjenige, der einen solchen Satzauftakt benutzt, wohl vor allem darauf hinweisen möchte, dass nun eine, wie auch immer geartete, Aussage der besonders offenen oder persönlichen Art folgen wird.
Dennoch frage ich mich, warum diese Hinweise “nun mal ehrlich zu sein” so sehr in den täglichen Sprachgebrauch Einzug gehalten haben. Sind wir denn ein Volk der Lügner geworden, Menschen, die es mit der Wahrheit nicht mehr so genau nehmen und deshalb besonders darauf hinweisen müssen, wenn sie die Wahrheit sagen? Oder leben wir mittlerweile in einer Gesellschaft, in der es schädlich oder gar gefährlich sein kann, offen und ehrlich seine Ansichten zu Gehör zu bringen, so dass wir mit diesen einleitenden Worten dem Gegenüber zunächst einmal klar machen müssen, dass wir ihn nun ins Vertrauen ziehen?

Ich meine – nicht nur wegen der Zunahme des Gebrauchs solcher Formulierungen – feststellen zu können, dass die Wahrheit der eigenen Äußerungen, die Ehrlichkeit und Klarheit in dem was wir tun und sagen, kein besonders hoch angesiedelter Wert mehr sind, in unserer Gesellschaft der Beliebigkeit.

Interessanterweise beschäftigen sich auch Wissenschaft und Forschung aktuell sehr eingehend mit dem Thema Lüge. Die Sendung nano bei 3sat hat sich kürzlich mit einigen Untersuchungen zu diesem Thema auseinandergesetzt. Hier ein kurzer Auszug aus dem Text:

Lügen verraten sich in den Gehirnmustern

Hektische Aktivität im Bereich der Schläfe entsteht
"Lügen ist anstrengender, als die Wahrheit zu sagen – das Gehirn ist im Schläfenbereich aktiver, wenn man Information verheimlicht", weiß Dr. Matthias Gamer vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Untersuchungen Daniel Langlebens von der Pennsylvania School of Medicine (USA) mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) haben gezeigt, dass sich die Aktivität in bestimmten Hirnbereichen immer dann signifikant erhöhte, wenn die Versuchspersonen logen. Besonders auffällig war der Aktivitätsanstieg im vorderen Gyrus cinguli und in der präfrontalen Großhirnrinde.

Beide Bereiche bestimmen wesentlich mit, welche Gedächtnisinhalte letztlich ins Bewusstsein gelangen. Der erste Bereich steuert die Aufmerksamkeit und dient der Impulskontrolle. Im zweiten dagegen sitzt die hemmende Instanz des Gehirns. Langleben: "Offensichtlich muss man, um eine Lüge auszusprechen, etwas unterdrücken. Und dieses Etwas ist dann wohl die Wahrheit."

Leider konnte ich diese Sendung nicht sehen, da ich meinen Fernseher schon vor langer Zeit in den Keller verbannt habe und, außer bei solchen Gelegenheiten, nicht im Geringsten vermisse. Glücklicherweise gibt’s solche interessanten Inhalte aber auch zum Nachlesen, und im weiteren Verlauf des obigen Textes bin ich auf ein paar sehr bemerkenswerte Fakten gestoßen.

  1. Notorische Lügner haben eine andere Hirnstruktur.
    In Untersuchungen der Universität Südkaliforniens haben Wissenschaftler festgestellt, dass Menschen die häufiger lügen, durchschnittlich 25,7 Prozent mehr weiße Hirnmasse im präfrontalen Cortex hatten und dafür fehlte ihnen im Vergleich zu den normalen Probanden 14,2 Prozent der grauen Hirnmasse. Graue Hirnmasse ist für die Informationsverarbeitung im Hirn zuständig, weiße Hirnmasse für die Informationsübermittlung.
  2. "Lügen lernen" ist ein Teil der geistigen Entwicklung.
    An verschiedenen Universitäten (im Artikel einzeln erwähnt), wurde und wird untersucht, ab wann der Mensch lernt (beginnt) zu lügen und welche Motivation ihn dazu bringt. Unter anderem kommt der Philosoph und Erziehungswissenschaftler David Nyberg von der University of New York aufgrund seiner Untersuchungen zu dieser Aussage:
    "Die Wahrheit zu sagen ist moralisch überbewertet. Ohne Täuschung und Irreführung wäre unser komplexes Beziehungsleben völlig undenkbar."
  3. Am Telefon wird viel häufiger gelogen als in E-Mails.
    Und zwar einzig und allein aus dem Grund, weil in einer E-Mail die Lüge schwarz auf weiß dokumentiert ist. Natürlich erleichtert das Telefon den Gebrauch einer Unwahrheit auch dadurch, dass die Körpersprache, deren schwer zu steuernden und zu kontrollierenden Äußerungen erschweren zu lügen, vollkommen ausgeschaltet ist.

Nochmal zurück zu meiner anfänglichen Fragestellung: Was hat sich da eigentlich eingeschlichen in unsere sprachliche Kommunikation, unseren Umgang miteinander? Ich habe gerade (15.Dezember 20:44 Uhr) mal eine erneute Probe aufs Exempel gemacht und die Suche nach dem Wort “ehrlich” bei Twitter eingegeben. Nachdem ich 150 Tweets gezählt habe, in denen die Formulierungen “mal ehrlich”, “ganz ehrlich”, “ehrlich gesagt” und ähnliche vorkamen, habe ich die Zählung der Tweets, in einer nicht enden wollenden Auflistung, abgebrochen. Offensichtlich ist es wirklich so, dass Lüge zu einem derart verbreiteten Normalfall und Kommunikationsanteil geworden ist, dass man sich tatsächlich laufend gegenseitig versichern muss, jetzt gerade mal die Wahrheit zu sagen.

Wie konnte es dazu kommen, dass Ehrlichkeit nur noch sehr partiell zum Einsatz kommt, und wohin soll uns diese Entwicklung eigentlich führen? Einer der Gründe für diese Entwicklung liegt sicher in unserem heutigen, modernen Menschenbild.
Johann Stöger beschreibt auf seiner Website das “neurobiologische-psychologische Modell der Persönlichkeit” in vier Ebenen.

1. Das Temperament
2. Die emotionale Prägung
3. Das bewusst soziale Verhalten
4. Die sprachliche Kommunikation

Wen die Erläuterungen zu den einzelnen Ebenen im Detail interessieren, kann sie gerne hier nachlesen. Unter der Überschrift “4. Die sprachliche Kommunikation” schreibt er wie folgt:

Diese vierte Ebene bestimmt, wie wir kommunizieren. Hier entsteht unser Selbst- und Wunschbild. Hier lernen wir, wie wir uns darstellen sollen, um voranzukommen. Dies ist die Ebene der Diplomatie, der Verstellung und auch des Selbstbetrugs. Diese Ebene hat die Fähigkeit, sich von den drei anderen Ebenen abkoppeln zu können; sie kann innerpsychisch ein Eigenleben führen.
Die vier Ebenen bestimmen im übrigen unser Fühlen, Denken und Handeln ihrer Stärke nach in umgekehrtem Verhältnis zu ihrer Veränderbarkeit. Das bedeutet, dass sich Handlungsmotive auf der oberen sozialemotionalen Ebene nur dann durchsetzen, wenn sie sich mit tieferliegenden egoistisch-emotionalen Motiven verbünden.

Erschreckend für mich, dass heute also die sprachliche Kommunikation als die Ebene der Verstellung angesehen wird. Zwangsläufig, da wir unser Verhalten hier so gestalten sollen, dass wir “vorankommen”. Was bedeutet, dass sich Handlungsmotive aus der sozialemotionalen Ebene “nur dann durchsetzen, wenn sie sich mit tieferliegenden egoistisch-emotionalen Motiven verbünden.” Unser Streben nach Erfolg und unser komplexes Beziehungsleben  zwingen uns also, zu lügen, zu täuschen und uns zu verstellen?!

Wohin uns diese Entwicklung führt, scheint auch offen auf der Hand zu liegen. Weiß statt grau! Die für die Informationsverarbeitung zuständige, graue Gehirnmasse nimmt immer mehr ab, denn Informationen sind heute so leicht zugänglich, dass sie uns regelrecht überfluten, und ihre Relevanz unterliegt einem so schnellen Verfall, dass es nicht mehr opportun scheint, sie zur Gänze zu verarbeiten und zu speichern. Andererseits wird die Informationsübermittlung, speziell unsere Selbstdarstellung und Außenwirkung, für die der Anteil weißer Gehirnmaße zuständig ist, offensichtlich immer wichtiger. Fortgesetzter vermeintlicher Zwang zur Lüge und Täuschung führt zu einer Zunahme der Maße dieser Gehirnareale. Ein durchschlagender Effekt, wenn man bedenkt, dass dieser Prozess ja bereits in der Kindheit beginnt. Eine Gesellschaft von Lügnern und unwahrhaftigen Selbstdarstellern wächst heran, in der der Einzelne, aufgrund seiner Gehirnstruktur, zwar immer weniger in der Lage sein wird, komplexe Informationen noch sinnvoll zu verarbeiten, aber dafür die gesteigerte Fähigkeit besitzt, ein positives, strahlendes Bild von sich zu zeichnen. Seine soziale und ethische Einstellung ist ambivalent und kommt überhaupt nur noch dann zum Tragen, wenn sich ein Effekt erzielen lässt, der mit “ tieferliegenden egoistisch-emotionalen Motiven” in Einklang zu bringen ist.

Nun noch die unvermeidliche Kurve zu meiner christlichen Glaubenseinstellung ;-)

Wie weit haben wir uns im “christlichen Abendland” eigentlich schon von den christlichen Werten, die ja dem Grundgesetz unseres Landes noch zugrunde gelegt wurden, entfernt? In den Worten Salomos lesen wir noch das folgende Loblied auf die Wahrheit:

“Die Worte eines Menschen können eine Quelle sein, aus der immerfort Weisheit sprudelt: unerschöpflich und von tiefer Wahrheit.
Einem falschen Zeugen wird man auf Dauer nicht glauben; wer aber bei der Wahrheit bleibt, wird immer wieder angehört.
Der Herr sorgt dafür, dass die Wahrheit siegt, denn er entlarvt die Worte der Lügner.”

Bei dem Propheten Jeremia liest man dann wie es aussieht, wenn Gott abgeschafft und Wahrheit nur noch durch Konsens definiert wird:

"Sie schießen ihre Lügen ab wie Pfeile; sie besitzen die Macht im Land, weil sie betrügen, und nicht, weil sie die Wahrheit lieben. Sie begehen ein Verbrechen nach dem anderen und wollen mich nicht als ihren Gott anerkennen.”

Diese Worte erinnern mich übrigens ganz fatal an die vielen Klagen über unsere Politiker, die heutzutage in aller Munde sind.
Ich sehe das so: Eine Gesellschaft, die Gott nicht mehr als Gott anerkennen will, die ihn sozusagen bereits weitestgehend abgeschafft hat, wird zwangsläufig zu einer Gesellschaft, in der Lügen und Täuschen als normal und notwendig angesehen werden. Da machen dann “die Mächtigen im Lande” keine Ausnahme. Da hilft es auch nicht, jeder wichtigen Aussage die Worte “mal ehrlich” voranzustellen.

 

 

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Bernd Strohm,

sicher der beste Gitarrist den ich persönlich kenne, ist – zusammen mit einigen anderen, bekannten “Dinos” – live zu sehen! Da ich Bernd aus meiner aktiven Musikerzeit kenne und schätze, möchte ich hier sein MySpace Bulletin einstellen. Vielleicht liest es ja der eine oder andere Musikinteressierte aus der Gegend. Seine MySpace Seite findet sich hier:  http://www.myspace.com/berndstrohm Diese Veranstaltung wird sicher ein Erlebnis der besseren Art für jeden Musikliebhaber!

 

Freitagabend noch nix vor?Fünf waschechte Dinos zelebrieren den authentischen Jazzrock aus den 70ern.

Neben BERND STROHM (Gitarre), KLAUS DAPPER (Saxofon) und WALDO KARPENKIEL (Schlagzeug) spielen STEFAN RADEMACHER (Bass), der viele Jahre weltweit mit sämtlichen stilbildenden Musikern der amerikanischen Fusion-Szene (u.a. George Duke, Billy Cobham) tourte, und THOMAS BETTERMANN (Tasten), der sich schon in den 70er Jahren an der Seite von Jazz-Legende Volker Kriegel zur festen Größe in der deutschen Musikszene entwickelte.

Freitag, den 27.11.2009; 21:30 Uhr
Jazzkeller
Lohstr. 92
47798 Krefeld
0162-2013145
www.​jazzkeller.​de

Liebe Grüsse

Euer

Bernd

 

In der letzten Zeit beschäftige ich mich hier vermehrt mit dem Leben – der geneigte Leser wird das sicher schon bemerkt haben. Vor einiger Zeit las ich ein schwedisches Märchen, das sich genau mit dieser Fragestellung beschäftigt:

Was ist eigentlich das Leben?

Es war an einem schönen Sommertag um die Mittagszeit. Buchfink Am Waldrand herrschte große Stille. Alles ruhte und selbst die Vögel hatten ihre Köpfe unter die Flügel gesteckt. Da plötzlich streckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte laut in die Mittagsstille: “Was ist eigentlich das Leben?” Alle waren betroffen über diese schwierige Frage.

Die Heckenrose entfaltete gerade eine Knospe und schob ein Blatt nach dem anderen heraus. Sie antwortete: “Das Leben ist eine Entwicklung.” Weniger tiefsinnig gestimmt war der Schmetterling. Er flog von einer Blume zur anderen, naschte hier und da und sagte: “Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein.”
Unten zwischen den Grashalmen mühte sich gerade eine Ameise einen Strohhalm wegzuschleppen, zehnmal länger als sie selbst und keuchte dabei angestrengt: “Das Leben ist nichts als Arbeit und Mühsal.”
Geschäftig kam gerade eine Biene, schwer beladen mit Nektar und Blütenpollen, von einer bunten Blumenwiese zurück und meinte im Vorbeiflug: “Nein, das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen.”  Aufmerksam geworden durch solch weise Reden, streckte auch der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte: “Das Leben? Das Leben ist ein Kampf im Dunkeln!”
Fast wäre es zu einem Streit gekommen, wenn nicht ein leichter Sommerregen eingesetzt hätte, der sanft murmelte: “Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen.” Dann zog er weiter zum Meer. Dort brandeten die Wogen, schlugen mit Macht gegen das felsige Ufer und stöhnten: “Das Leben ist ein Ringen um Freiheit.” adler Hoch über der Brandung zog stolz ein Adler seine Kreise. Er rief frohlockend: “Das Leben, das Leben ist ein Streben nach oben.” Nicht weit entfernt vom Ufer stand ein Weidenbaum. Der Sturm hatte ihn schon zur Seite gebogen und mit den Blättern im Wind rauschend raunte er: “Das Leben ist ein Sichneigen unter eine höhere Macht.”

Dann wurde es Nacht. Mit lautlosen Flügelschlägen glitt der Uhu über die Wiese Mann im Grasdem Wald zu und krächzte dabei: “Das Leben heißt: die Gelegenheit nutzen, wenn andere schlafen.” Und schließlich wurde es still in Wald und Wiese. 
Nach einer Weile kam ein Mann auf dem Weg am Waldrand entlang. Müde setzte er sich ins Gras, streckte alle Viere von sich und meinte, erschöpft von Tanz und Trinkgelage: “Das Leben ist eine ständige Suche nach Glück und eine lange Reihe von Enttäuschungen.”

Dann zog die Morgenröte herauf, entfaltete ihre ganze Pracht und sprach: “Wie ich, die Morgenröte, der Beginn eines neuen Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit.”

Dies kleine Märchen zeigt uns ganz bildlich und dabei beispielhaft, wie die Lebenssituation und Perspektive des Betrachters auch sein Bild vom Leben, davon, was das Leben eigentlich ist, grundlegend beeinflussen und prägen. Was ist es denn nun, das Leben? Ist es eine Entwicklung, lauter Freude und Sonnenschein, oder nur Arbeit und Mühsal?  Definiert sich das Leben in einem Wechsel aus Arbeit und Vergnügen? Ist es ein Kampf im Dunkeln, oder besteht es etwa nur aus Tränen, nichts als Tränen? Ein vergebliches Ringen um Freiheit oder ein Streben nach oben? Besteht das Leben etwa daraus, Chancen zu suchen und zu nutzen, wenn alle anderen noch schlafen, oder ist es die vergebliche Suche nach Glück, die in eine nicht enden wollende Kette von Enttäuschungen mündet? Ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit? Oder ein wenig von alldem?

Kürzlich las ich den klugen Satz eines Motivationstrainers, der behauptete: “Das Leben ist das, was du daraus machst!” Ist das so? Sind alle Unwägbarkeiten des Lebens, alles äußeren Einflüsse, alle Ereignisse, seien sie tragisch oder auch eher komisch, durch unseren Plan und Willen zu steuern? Ich glaube nicht. Um es mit einem Satz Dietrich Bonhoeffers auszudrücken:

Wirkliche Wahrheit unterscheidet sich von jeder phrasenhaften Wahrhaftigkeit dadurch, dass sie etwas ganz Bestimmtes will, dass etwas geschieht – nämlich dass sie den Menschen löst, frei macht.”

In diesem Sinne ist es für mich nur eine phrasenhafte, oberflächliche und scheinbare Wahrheit zu sagen, Leben sei das, was man daraus mache. So wahrhaftig das auch klingen mag, spottet es doch der Lebenswirklichkeit vieler Millionen Menschen hier und anderswo. Die verlockende Verheißung, dass es nur darauf ankomme, was der Einzelne aus seinem Leben mache, löst die Menschen nicht aus ihrer Situation, von ihren Schwächen und Begrenzungen, äußeren wie inneren. Sie stellt Menschen statt dessen unter Zugzwang, bürdet Ihnen Versagensängste  und Schuldgefühle auf.
Natürlich gehören die Schaffenslust, das Vorwärtsstreben, der Wille etwas zu erreichen zum Leben, genauso wie die Sehnsucht nach Glück, die Freude an Sonnenschein und Regen, Entfaltung und das Streben nach Freiheit. Das Leben selbst sind sie nicht.
Eine lösende, erlösende freimachende Wahrheit ist für mich die Erkenntnis: Das Leben ist ein Geschenk. Das Geschenk eines Größeren als wir Menschen es sind. Dieser Tatsache Rechnung zu tragen, ihr im Leben Raum zu geben und sich auf das Größere, Unvergängliche auszurichten, das bewirkt einen Perspektivenwechsel im Leben, der geprägt ist von Dankbarkeit und von der Fähigkeit im Leben zu erkennen, was wirklich wichtig ist, bedeutsam und von bleibendem Wert.

 

 

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Zeiten der Entspannung, des Spiels und der Muße sind wichtig für ein Leben in Balance, denn wer sein Leben nicht genießen kann, wird auf Dauer auch nicht leistungsfähig sein. Allerdings leben wir in einer Zeit, in der die Übergänge zwischen Berufs- und Privatleben fließend geworden sind. Im 21. Jahrhundert ist immer mehr der Typ des “Lebensunternehmers” gefragt. Das alte, klischeehafte Rollenverständnis “Der Arbeiter arbeitet – und der Chef scheffelt”, ist schon lange aufgeweicht und wird von dem Bild des neuen Selbstständigen verdrängt, für den Persönlichkeitsentwicklung genauso wichtig ist, wie berufliche Qualifizierung und Weiterbildung.
Horst W. Opaschowski schreibt in seinem Büchlein “ Das Moses Prinzip: Die 10 Gebote des 21. Jahrhunderts ”:Moses Prinzip

Jeder ist in Zukunft als Lebensunternehmer gefordert, d.h. der Lebenssinn muss im 21. Jahrhundert neu definiert werden: Leben ist die Lust zu schaffen! Schaffensfreude (und nicht nur bezahlte Arbeitsfreude) umschreibt das künftige Leistungsoptimum von Menschen, die in ihrem Leben weder überfordert noch unterfordert werden wollen.”

Allerdings weist Opaschowski auch darauf hin, dass die Devise Leben ist die Lust zu schaffen, nicht grundsätzlich neu ist. Die italienischen Psychologen  Fausto Massimini und Antonella delle Fave interviewten italienische Bauern in den hochgelegenen Bergtälern der Alpen, die von der industriellen Revolution weitgehend verschont geblieben sind. In ihren Interviews kam zum Ausdruck, wiese_maehendass die Bauern ihre Arbeit nicht von ihrer Freizeit unterscheiden konnten. Bei den Interviewern entstand ein doppelter Eindruck: Die Bauern arbeiten sechszehn Stunden am Tag, oder sie arbeiten überhaupt nicht. Sie melkten Kühe, mähten Wiesen, erzählten ihren Enkeln Geschichten oder spielten Akkordeon für Freunde. Und auf die Frage, was sie denn gern tun würden, wenn sie mehr Zeit für sich zur Verfügung hätten, kam die Antwort: Kühe melken, Wiesen mähen, Geschichten erzählen, Akkordeon spielen. Für ihr ganzes Leben gilt eigentlich nur der Grundsatz: “Ich tue, was ich will".” Das Leben, auch das Arbeitsleben, bot und bietet ständig und gleichermaßen Herausforderungen dafür.

Bei diesen Bergbauern scheinen die Begriffe deckungsgleich zu sein: ihre Lebensleistung ist zugleich auch ihre Lebenslust. Allerdings nicht im Sinne unseres modernen Leistungswahns, der Leistung mit Produktivität gleichsetzt, während er das Gespräch mit Freunden, das Musizieren, Geschichtenerzählen, ja sogar das gemeinsame Essen in der Familie oder im Freundeskreis in den Bereich der “unproduktiven” Freizeit verschiebt.
Mit ein wenig Neid schaut der “moderne Mensch” auf den Zeitwohlstand früherer Kulturen, denen das Wort: “Morgen ist auch noch ein Tag..” noch sehr geläufig war. “Wir haben heute ständig das Gefühl, morgen könnte es bereits zu spät sein.”  schreibt Opaschowski in seinem Buch. Und tatsächlich zieht sich diese Haltung durch unser ganzes Leben. Geschäftliche Termine, die unbedingt eingehalten werden müssen, Fristen, das Rennen mit den Mitbewerbern um den Zuschlag, den ersten Platz, den Gewinn – all das übertragen wir auch auf alle anderen Lebensbereiche: Konsumiere im Augenblick und genieße das Leben jetzt. Wir nutzen die Zeit mehr als wir sie verbringen – im Einklang unseres gesamten Tuns und Seins in allen Bereichen.

Das krampfhafte Bemühen, Leistung und Lust in der Waage zu halten, führt uns zu Burn-out, Erschöpfung und Herzinfarkt auf der einen Seite, und zu zwanghaften Konsum, Genuss und Waage der Kombinationssucht andererseits: das Essengehen mit dem Knüpfen geschäftlicher Verbindungen, das Fernsehen mit dem Zeitunglesen, die Urlaubsreise mit dem Erlernen neuer Sportarten. Die Waage muss unbedingt auf beiden Seiten gleich vollgepackt sein, sonst haben wir zwangsläufig das Gefühl der Unausgewogenheit, des Zukurzgekommenseins auf einer Seite.

Ich denke, der erfolgreiche, neue Typ des Lebensunternehmers sollte Lebenslust und Lebensleistung vereint sehen. Von den italienischen Bergbauern können wir eine andere1294DW02 Art, ein Leben zu bewerten, lernen. Nicht Gegensätze, die gegeneinander aufgewogen werden müssen, sondern ein ganzes Leben, in all seinen Facetten, gilt es zu wiegen. Da empfiehlt sich ein anderer Typ Waage. Eine Waage, die das Gewicht und die Bedeutung eines gesamten Lebens anzeigt. Eines Lebens, in dem Leistung und Lust deckungsgleich sind.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich bei allen Gedanken und Erkenntnissen auch immer einen Bezug zu meinem Glauben herstelle. Bei Dietrich Bonhoeffer habe ich folgenden Satz gefunden:

Gott liebt den Menschen. Gott liebt die Welt. Nicht einen idealen Menschen, sondern den Menschen wie er ist, nicht ein Idealwelt, sondern die wirkliche Welt.

Daran will ich mein “Unternehmen Leben” ausrichten, an der Liebe. Alles mit den Augen der Liebe sehen, aus der Liebe heraus handeln, das hat für mich Gewicht. Ich denke, das ist der Weg zu einem authentischen Leben, in dem Lebenslust und Lebensleistung deckungsgleich werden können, indem sie auf ein übergeordnetes Ziel ausgerichtet sind.

 

 

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In der letzten Zeit ist mir aufgefallen, dass es in meinem Umfeld immer mehr Menschen gibt, bei denen ein Burnout-Syndrom diagnostiziert wird, die unter Erschöpfungszuständen leiden, oder, die über Stress und Überlastung klagen.
Liegt das an unserer hektischen Zeit, die mit ihrem Geschwindigkeitsrausch Menschen ganz einfach überfordert? Liegt es an der Vielfältigkeit unseres modernen Lebens? An den gestiegenen Anforderungen in Beruf und Privatleben? Oder haben wir vielleicht ganz einfach ein paar Grundregeln des Lebens aus den Augen verloren? Kürzlich las ich eine kleine Legende, die über den Apostel Johannes berichtet wird:

Der Apostel Johannes, so die Überlieferung, spielte im Alter gern mit einem zahmen Rebhuhn. Eines Tages besuchte ihn ein Jäger und wunderte sich, dass ein so wichtiger Mann wie ein Kind mit einem Vogel spielte. Der Jäger fragte denJagd_Bogen-2 Apostel: “Du könntest große und wichtige Dinge tun und spielst mit einem Rebhuhn. Warum vertust du die kostbare Zeit mit einem nutzlosen Spiel?” Johannes schaute den Jäger nachdenklich an und fragte zurück: “Weshalb ist der Bogen auf deinem Rücken nicht gespannt?” “Der Bogen würde seine Spannkraft verlieren, wenn er immer gespannt wäre. Wenn ich ihn beim Jagen brauchte und einen Pfeil abschießen wollte, hätte er keine Kraft mehr.” – Johannes antwortete: “Das Leben ist wie ein Bogen. Es kann nicht immer angespannt sein. Sonst würde es seine Kraft verlieren. Jeder Mensch braucht, um seine Spannkraft zu erhalten, die Phasen der Entspannung. Und wenn er dann wieder gefordert ist, hat er die nötige Kraft zum Handeln und Wirken.”

Die Zeit, die wir uns zur Stille und Ruhe, zum Spielen und Feiern nehmen, ist keine verlorene Zeit! Schöpferische Kräfte wachsen aus der Ruhe. Erschöpfungszustände kommen aus Rastlosigkeit und Hetze.

Interessant übrigens, dass die Notwendigkeit zur Entspannung und Ruhe – als Rezept für ein aktives, schöpferisches Leben und die Zufriedenheit – auch schon zu Zeiten der biblischen Psalmendichter bekannt war.

Ihr steht frühmorgens auf und gönnt euch erst spät am Abend Ruhe, um das sauer verdiente Brot zu essen. Doch ohne Gottes Segen ist alles umsonst! Denn Gott gibt denen, die ihn lieben, alles Nötige im Schlaf!
Ich bin zur Ruhe gekommen. Mein Herz ist zufrieden und still. Wie ein Kind in den Armen seiner Mutter, so ruhig und geborgen bin ich bei dir! (Psalmen HfD Übersetzung)

Wusstest du das?

 

Autor und Reporter für verschiedene Publikationen. Lieblingszitat: Wir müssen lernen, die Menschen weniger auf das, was sie tun und unterlassen, als auf das, was sie erleiden, anzusehen. (Dietrich Bonhoeffer)

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