Nun ist es also amtlich, die Briten wollen das Projekt Europa verlassen. Erwartet habe ich soviel Kopflosigkeit nicht, aber sie wundert mich auch nicht sonderlich.

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Gute Fahrt…

Ich versuche die Dinge ja immer ein wenig mit der Lebenswirklichkeit eines Normalbürgers zu verknüpfen, für die hohe Politik fehlt mir ohnehin die nötige Unaufrichtigkeit. Deshalb der folgende kleine Vergleich, der natürlich – wie alle Vergleiche – auf beiden Beinen hinkt.
Ich stelle mir vor, dass ich in einem Supermarkt einkaufen gehe. Während meiner Tour durch die Regalreihen habe ich so einige Dinge zu bemängeln. Die Auswahl entspricht nicht immer zu 100% meinen Erwartungen, das Personal ist nicht nur zu zahlreich, sondern zudem auch noch recht eigensinnig und die Kasse am Ausgang stört mich ohnehin. So schlendere ich chronisch missgestimmt durch den Laden, werfe hier ein paar Regale um, fege dort eine Reihe von Waren aus dem Regal und öffne nebenbei auch schnell noch ein paar Tiefkühltruhen um für den angetauten Inhalt später einen kräftigen Nachlass verlangen zu können. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, zu dem ich den Laden verlasse, denn das Chaos aufzuräumen, ist meine Sache nicht.

Nachdem die Briten über Jahrzehnte alle Vorteile der Gemeinschaft gern genutzt, dabei allerdings permanent mit beiden Füßen heftig auf die Bremse getreten haben, verlassen sie nun den Laden, denn die „Vereinigten Staaten von Europa“, in denen jeder für alles geradezustehen hätte, sind ihre Sache nicht. Ein Europa der Nationalstaaten ist jetzt das erklärte Ziel, also zurück zu einem Zustand, der schon in der Vergangenheit nichts Gutes gebracht hat.

Bei den ersten großen Belastungsproben (Finanzkrisen, Flüchtlingsproblematik und überbordender Bürokratismus) verlassen die standhaften Inselbewohner (Ja, standhaft waren sie wirklich einmal und haben damit große Beiträge zum Erhalt der freien Welt geleistet!), das sinkende Schiff, in das sie allerdings zuvor so emsig ein Loch nachdem anderen gebohrt haben.

Die Verwirklichung des visionären Zieles, „Vereinigte Staaten von Europa“ – m.E. die einzig sinnvolle und tragfähige Entwicklung im Zeitalter der Globalisierung – hätte schneller vonstattengehen können und wäre schon ein ganzes Stück weiter, wenn die Briten nicht permanent mit der Trauerarbeit um den verlorenen Status einer Weltmacht beschäftigt gewesen wären und sich der Zukunftsgestaltung gewidmet hätten. Vielleicht wäre Europa dann sogar schon soweit gefestigt, dass die aktuellen Herausforderungen leichter zu meistern wären.

Durch die Entscheidung der Briten, den Supermarkt der Begehrlichkeiten nun, da er in einem recht chaotischen Zustand ist, zu verlassen, wird alle Beteiligten zurückwerfen, die EU ebenso, wie die Briten. Aber keine Sorge Großbritannien, wir werden die Probleme bewältigen. Schon deshalb, weil es gar keine sinnvolle und tragfähige Alternative gibt. Das werdet auch Ihr feststellen und mein Mitleid wird sich in Grenzen halten.

Foto: Jan von Bröckel / pixelio.de

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3 Kommentare zu „Und tschüss…

  1. Als Supermarkt der Begehrlichkeiten hat eher Ost- und Südeuropa die EU gesehen. Die Kernstaaten hatten andere Ziele und die Briten waren nie mit dem Herzen dabei. Und ich bin sicher, dass auch viele andere Staaten bei Bürgerentscheiden 1. nie die EU gewollt und 2. nun ebenfalls den Austritt befürworteten.

    Alternativen zum Euro und der EU in der jetzigen Form gibt es immer. Aber mit diesem Modellen will ich weder dich noch meine LeserInnen langweilen. Der Zerfall Europas hat doch bereits vor dem Brexit begonnen. Diese fast schon gewaltsame Gleichschaltung vieler Nationen funktioniert einfach nicht. Die Vision ist natürlich toll (gewesen). Ob Europa es nun ohne Briten schafft oder sich selbst abschafft, wird sich auch in / an Griechenland entscheiden.

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