PsychologieEs ist ja schon eine Weile her, dass mein Freund Piet, unser Hund Schoppie und ich in der Küche gesessen haben, um bei einem guten Glas trockenen Roten die Welt zu ordnen. Aber der Ordnungsbedarf ist so groß, dass wir nun doch mal wieder eingreifen mussten. Piet und ich auf der Eckbank, Schoppie darunter und Piets Frau wie immer als freundliche Gastgeberin. Nach den letzten Landtagswahlen gab es eine Menge zu sortieren, da wurden aus einem Glas Roten ganz schnell ein paar mehr.

Piet wohnt ja nicht weit von uns und bei meinem Rückweg nachhaus macht es gar nichts, wenn ein Schlückchen Wein zuviel dabei war, den Weg über die Wiesen findet Schoppie auch mit einem etwas angesäuselten Herrchen an der Leine.
„Prost, mein Lieber!“ waren Piets erste, wichtige Worte zu Beginn unserer Konferenz. „Was sagst du denn nun zum Wahlausgang?“ Ich kratzte verlegen meinen Hinterkopf: „Was kann man dazu schon sagen, Piet? Diese Landtagswahlen machen mich traurig und wütend zugleich! Ich verstehe, ehrlich gesagt nicht so ganz, warum Menschen eine Partei wählen, die in ihrem Programm verkündet, dass sie genau diesen Menschen sofort ans Leder gehen würde, wenn sie die Macht dazu hätte.“
„Schoppie, was sagst du dazu?“ rief Piet unserem Hund zu, „Er ist besorgt! Als ob wir nicht schon genug Besorgte in unserem Land hätten.“ Schoppie ließ das vollkommen ungerührt, er schnupperte weiter an Adelgundes Schürzentasche und wedelte dabei heftig mit dem Schwanz. Adelgunde, das ist nicht nur Piets Frau, sondern auch die anerkannte Schürzentaschenleckerlieträgerin und deshalb der Traum und das Ziel unseres Hundes. Piet lachte: „Siehst du, so ist das richtig! Ihn lässt das alles vollkommen kalt, er sieht die wichtigen Dinge der Gegenwart.“

„Du willst doch damit hoffentlich nicht sagen, dass die Wahlergebnisse nicht wichtig sind?“ fragte ich stirnrunzelnd. „Nun ja, vollkommen unwichtig sind sie nicht, aber ein Leckerlie in der Schürzentasche ist allemal wichtiger. Sieh mal, wir haben doch gerade genügend andere Baustellen, die mir viel mehr am Herzen liegen. Die Mehrheit unserer Bevölkerung hat die Flüchtlinge willkommen geheißen und wir sollten uns nun darauf konzentrieren, ihnen den Weg zu einer gelungenen Integration in unsere demokratische Gesellschaft zu ebnen.“

„Da hast du natürlich Recht, Piet, trotzdem macht mir diese Entwicklung Kopfschmerzen. Vor allem mache ich mir Sorgen darüber, dass offensichtlich ein kleiner Teil unserer Bevölkerung bereit ist, für eine Perle, die sie im Programm der AfD zu entdecken glauben, zwanzig Kröten zu schlucken.“
Nachdenklich schaute Piet auf den Boden seines mittlerweile leeren Glases. „Das beurteilst du falsch!“ sagte er dann nachdrücklich. „Es ging dabei gar nicht um das Abwägen von Programminhalten und auch nicht um den Protest gegen die Regierung, auch wenn viele das so gesacht haben und sogar selbst daran glauben. Du musst das alles mal psychologisch sehen!“

Mir wurde etwas seltsam zumute. Wenn Laien anfangen die Psychologie zu bemühen, kann eigentlich nicht viel Sinnvolles dabei herauskommen. Ich grinste verlegen. „Bist du jetzt auch unter die Spökenkieker und Küchenpsychologen gegangen?“

„Das war ich doch schon immer!“ lachte Piet. „Wer verheiratet ist, wird entweder zu einem guten Psychologen, oder seine geistige Gesundheit nimmt langfristig Schaden!“

Das hätte mein Freund Piet besser nicht gesagt.
„Freundchen!“ rief seine angetraute Adelgunde, „Kann es sein, dass du ab heute eine Diät machen möchtest? Noch so einen Satz und du kriegst eine Woche lang kalte Küche!“
Piet zog den Kopf ein. „Das meinte ich jetzt nur positiv! Psychologe so im Sinne von verständnisvoll, sensibel und feinfühlig.“ Adelgunde lachte nur: „Wenn du mal keine Ausreden mehr hast, dann fange ich an, mir ernsthaft Sorgen um dich zu machen!“

Piet atmete erleichtert aus und hob die Hand, so wie er es immer tut, wenn er etwas Wichtiges sagen möchte.

„Also ich erklär das mal, die Sache mit der Psychologie! Neulich habe ich gelesen, dass zum Beispiel Kinder aus einer Partnerschaft, in der Vater oder Mutter Alkoholiker sind, in jungen Jahren mit Abscheu erklären, niemals einen Partner heiraten zu wollen, der zuviel trinkt. Nun haben die Psychologen aber herausgefunden, dass viele dieser Menschen ein paar Jahre später in genau einer solchen Beziehung mit einem Alkoholiker oder einer Alkoholikerin zu finden sind. Sie haben sich trotz des schlechten Erinnerungen an ihre Kindheit, auf genau eine solche Beziehung eingelassen, wie sie ihnen aus der Kindheit bekannt und vertraut ist. Die Psychologen sagen, das läge daran, dass der Mensch sich eben automatisch wieder zu dem hingezogen fühlt, was im vertraut ist. Da kennt er sich aus und weiß, wie alles funktioniert.“

„Du meinst also,“ fragte ich staunend, „diese Menschen, springen kopfüber wieder in die Scheiße, aus der sie glaubten entronnen zu sein, weil es dort zwar stinkt, aber warm ist und sie sich darin auskennen?“

„Ganz genau!“ lachte Piet. „So musst du auch die Sache mit dem Wahlergebnis sehen. Gerade die Bürger in den östlichen Bundesländern, haben sich zwar von der Diktatur der Partei befreit, aber nun sehnen sie sich unbewusst wieder zurück in eine Situation, in der ihnen Partei und Führung vorgegeben haben, was zu tun und zu denken ist. Einerseits stinkt ihnen das natürlich, wenn von oben über ihr Leben bestimmt wird, andererseits ist es aber sicher und bequem und sie kennen sich aus.“
„Das klingt irgendwie einleuchtend,“ musste ich zugeben, „aber wie erklärst du dir dann, dass auch in westlichen Bundesländern eine Anzahl der Wähler die AfD mit ihrem Kreuzchen beglückt haben?“

Piet winkte ab: „Darüber brauchen wir doch gar kein Wort zu verlieren! Ewig Gestrige gab und gibt es überall und die Pegidas und AfDs haben ihnen nun Mut gemacht, ihre immer schon vorhandene Einstellung offen zu zeigen. Das lässt sich nicht vermeiden. Kaum tauchen Probleme auf, die mit gutem Willen und Anstrengung von allen zu bewältigen sind, dann rufen sie nach einer starken Führung, die ihnen persönliche Unbequemlichkeiten tunlichst ersparen soll.“

Vielleicht sieht er die Dinge ja ein wenig zu einfach, mein Freund Piet, aber in einem Punkt hat er absolut Recht, wir haben wichtigere Baustellen! Eine Demokratie wie die unsere, hält auch solche Wahlergebnisse mal aus. Allerdings befreit uns das nicht von der Pflicht, den Anfängen zu wehren, aufzuklären und darauf zu achten, dass solche Ausrutscher sich nicht zu einem breiten Weg abwärts entwickeln.

Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Advertisements

3 Kommentare zu „Mein Freund Piet und die Sache mit der Psychologie

  1. Wir erleben eine neue Form des Protestes in Deutschland, der mit „Ewig Gestrige“ nicht zu erklären ist. Auch nicht mit „blöden Ossis“, die sich wieder nach einer Diktatur sehnen. Im Osten ist man nur eher bereit auf die Straße zu gehen. Im Westen sind die meisten fett und satt. 70 Jahre Manipulation und Volksverdummung, haben Spuren hinterlassen.

    Die starke Hand existiert. Merkel hat dieses Land damit regiert. Und nun bekam sie eine Ohrfeige dafür und sitzt schmollend in einer Ecke. Die Wessis sind nämlich zum Teil auch aufgewacht und wollen Veränderung. Soll heißen mehr soziale Gerechtigkeit und keine Masseneinwanderung von Menschen, deren Kultur noch im Mittelalter steckt. Hilfe ja, aber bitte vor Ort! Keine deutschen Waffen für den Nahen Osten. Keine Machtspiele der USA.

    Mit AfD und Pegida werde ich niemals warm, aber sie als „Böse Rechte“ zu verteufeln ist falsch. Ja, eine Demokratie muss auch unbequeme Parteien aushalten. Argumente gibt es genug. Man muss sich nur die Mühe machen. Wir werden sehr bald wissen, wo die AfD wirklich steht. Ob sie nur Sprüche machen können, oder Merkels Kurs wirklich demokratisch Kontra geben.

    Mir gefällt, wie Sahra Wagenknecht Merkel Feuer unterm Hintern macht. Aber die Linken nimmt keiner ernst. Der SED Geruch bleibt zu stark. Dieses Wahlergebnis wird hoffentlich Folgen haben und die Etablierten zum Umdenken zwingen. Wenn ich sehe, wie sich Arbeitgeber verhalten, was sie von mir erwarten – max. Gewinn! -, wie sie Lohndumping betreiben und und und …, so kann ich die Protestwähler gut verstehen.

    Selbst in der LGBT Gemeinde gab es Stimmen für die AfD. Nur wenige, die sind bekanntlich gegen uns. Gern würden die aber anders wählen. Nur wen? Den Ex-Kommunisten Kretschmann, der Muttis Kurs unterstützt? AfD, die Pegida bestehen zum Teil aus jenen mehr als 7 Millionen Menschen, die keine Arbeit haben, Hartz IV, oder Sozialhilfe bekommen und die diese Regierung jahrelang vergessen hat. Schönen Gruß an Piet, das hat der bestimmt auch gewusst. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s