736093_original_R_by_Stefanie Salzer-Deckert_pixelio.deIch glaube, unser Land ist kurz vor dem Untergang! Bisher war ja nur zu befürchten, dass wir nun alle islamisiert werden, aber jetzt droht uns weit Schlimmeres. Die Vorgänge in Clausnitz – zunächst nur als eine weitere scheußliche Entgleisung strammer Heimatschützer wahrgenommen – entpuppt sich bei näherem Hinsehen als der Auftakt zu einem vernichtenden Angriff auf unsere Freiheit, körperliche Unversehrtheit und sogar auf unser Leben!

Sie fragen sich, wie das sein kann? Nun, wenn sie die Pressemeldungen und die Gerüchte im Internet aufmerksam verfolgt haben, dann wissen sie es bereits. Vielleicht ist es ihnen nur noch nicht bewusst. Lassen sie uns doch noch einmal den Ablauf der Geschehnisse Revue passieren.

Der Bus kommt in Clausnitz vor dem Haus an, in dem die Asylanwärter künftig vorerst leben sollen. Vor dem Haus wartet bereits eine aufgebrachte Meute von ca. 100 Menschen, die lautstarkt und drohend skandieren: „Wir sind das Volk! Wir wollen euch hier nicht! Geht dahin zurück, wo ihr hergekommen seid!“

Was passiert weiter? Zunächst einmal muss erwähnt werden, dass die Polizei nicht in der Lage ist, die unangemeldete Demonstration aufzulösen. Soweit so schlecht, aber schließlich kann man ja nicht verlangen, dass der Erich in Uniform den Gustav vorm Bus mit verhältnismäßiger angemessener Gewaltanwendung klar macht, dass er eine Straftat begeht, wenn er sich der Aufforderung, die Straße zu räumen widersetzt. Erich und Gustav müssen ja auch später wieder am Stammtisch miteinander auskommen. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Irgendwann später entschließt sich die Polizei, mit „leichtem Zwang“ (also nur so kleinere Anstupser, wie Würgen, Arme verdrehen und Zerren), die anscheinend verängstigten Flüchtlinge aus dem Bus zu entfernen. Der Busfahrer will ja schließlich auch mal Feierabend machen und auf die Randalierer wartet daheim schon Mutti mit Abendessen, kaltem Bier und Fernsehen. Verstärkung, um das ganze friedlich zu gestalten, nämlich ohne diese drohenden Krawallmacher, kann die Polizei scheinbar nicht anfordern, so viele Beamte gibt es in Sachsen nun auch wieder nicht. Für 100 radikale stramme Heimatschützer braucht man ja schätzungsweise mindestens 1.500 Polizisten!
Was machen die Flüchtlinge derweil? Nun, manche weinen verängstigt, manche zittern und verbergen sich hinter ihren Sitznachbarn, manche zeigen den Demonstranten aber auch den Stinkefinger. Das ist ungehörig, aber wenn ich so empfangen würde, täte ich das vielleicht auch. Auf einem Video, seit ein paar Tagen im Internet auf verschiedenen Seiten zu sehen, kann man das alles genau nachvollziehen und irgendwie schaut das, was die Flüchtlinge tun, eigentlich recht harmlos aus. Aber da liegt ein Irrtum vor. Wir wurden getäuscht, um uns nicht zu beunruhigen.

Ein Interview mit dem Polizeichef offenbart uns, wenn auch nur verklausuliert, aber doch für jeden nachvollziehbar, die volle schreckliche Wahrheit. Gegen die Flüchtlinge laufen strafrechtliche Ermittlungen! Da haben wir es! Da ist etwas abgelaufen, was wir bisher gar nicht wahrgenommen haben. Ein Interview mit Gustav (der vor dem Bus, ohne Uniform) gibt Aufschluss darüber, was genau passiert ist.


Herr Gustav, schildern Sie uns doch bitte die Vorgänge in Clausnitz an diesem Abend aus ihrer Sicht. Was haben Sie erlebt?

Nu, i will ma soochen…

Nein, nein Herr Gustav, das Interview soll auch in anderen Bundesländern ausgestrahlt werden. Könnten sie sich vielleicht dazu durchringen ihre Ausdrucksweise etwas mehr am Hochdeutschen zu orientieren?

Was meenn se?

Sprechen Sie bitte Deutsch, Herr Gustav!

Nu, ich versuchs. Also als diese Zecken…

Welche Zecken, Herr Gustav? Wir reden von dem Abend, an dem sie gegen Flüchtlinge demonstriert haben.

Nu, das sinnse doch! Jedenfalls hat mir eener, so en Gleener..

Deutsch bitte, Herr Gustav!

Schon gut. Also als dieser kleine Braune mir den Stinkefinger gezeigt hat, das war richtig schmerzhaft. So als ob er mir den Finger direkt in den… also sie wissen schon…

Den After, Herr Gustav?

Ja genau! Also als er mir den da reingesteckt hat, tat mir der Arsch den ganzen Abend noch richtich wehe.

Aber der Junge saß doch im Bus und sie standen auf der Straße, Herr Gustav?

Das isses ja eemnd! Mein Gleener hat gesacht, du Babba, des is wie in den Seinz Fiktschen Filmen, det sind allet Telechinesen. Nu, kommst du!

Sie meinen, Herr Gustav, die Flüchtlinge haben telekinetische Fähigkeiten?

Jo genaou! Nu sin se platt, ni?!

Wir danken Ihnen für das Interview, Herr Gustav. Das ist in der Tat eine Sensation. Das Abendland steht kurz vorm Untergang!

Ja, so war das in Wirklichkeit, wie man ja aus den Interviews mit dem Polizeichef und Gustav leicht entnehmen kann. Schließlich hat ja auch der Polizeichef strafechtliche Ermittlungen gegen die Flüchtlinge begonnen!

Wir stehen nun also kurz vor dem Untergang des Abendlandes und müssen sehenden Auges dieser ungeheuren Bedrohung standhalten. Wir müssen uns solidarisieren und diese ganzen Telechinesen aus dem Land jagen. Sofort! In Sachsen und überall!

 

Foto: Stefanie Salzer-Deckert / pixelio.de

 

 

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