Kürzlich fragte mich ein guter Freund, warum ich eigentlich alles so düster sehe und das Leben nicht mit ein wenig mehr Leichtigkeit angehe. “Deine Weltsicht,” so sagte er, “ist oftmals so ernst, ja, fast schwermütig. Deine Texte sind zwar manchmal humorvoll und ab und zu sogar witzig, aber es schwingt immer auch eine gewisse Melancholie mit.”
Ich muss gestehen, zunächst wollte ich widersprechen, aber bevor ich noch den Mund öffnen konnte, kam mir der kluge Gedanke, erst einmal darüber nachzudenken.
In “Jahrmarkt der Eitelkeit” schrieb William Makepeace Thackeray: “Die Welt ist ein Spiegel, aus dem jedem sein eigenes Gesicht entgegenblickt.” Wenn meine Weltsicht also mitunter ernst, ja geradezu düster scheint, liegt es dann daran, dass mir mein eigenes Gesicht entgegenblickt, dass vornehmlich meine eigenen Gedanken und Empfindungen darüber bestimmen, was ich in dieser Welt wahrnehme?
Ich mag mich darüber nicht lange in amateurpsychologischen Spekulationen ergehen, denn letztlich ändert das nichts. Ich stecke ja in mir drin, kann nicht hinaus und muss die Dinge sehen und verstehen, so wie ich sie eben sehe und verstehe. Wem das zu schwer und düster ist, wem mein Humor nicht lustig genug erscheint, meine Vorstellung von Romantik nicht romantisch genug, meine Werte nicht wertvoll genug sind und meine Glaubensüberzeugungen zu ernst oder aber nicht ernsthaft genug sind, dem möchte ich ein kluges Wort des römischen Dichters Terentianus Maurus entgegenhalten:

tu si hic sis

“Wärest du hier, so dächtest du anders.” lautet die Übersetzung und ich möchte sie noch ein wenig ergänzen: Wärest du an meiner Stelle hier in mir drin, so dächtest du anders.

Aber das nur mal so zwischendurch, als kleine persönliche Erklärung. Meine geschätzten Leser mögen sie bitte mit Nachsicht zur Kenntnis nehmen.

Zeichnung: Jörg Hartig

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