596322_original_R_K_B_by_Jorma Bork_pixelio.de.Zärtlichkeit Kann man eigentlich auch zärtlich zu Dingen sein? Komische Frage, werden Sie vielleicht denken und tatsächlich mutet diese Frage zunächst schon etwas seltsam an. Allerdings bin ich der Ansicht, man kann durchaus auch mit Dingen zärtlich umgehen, ich meine wirklich mit Zärtlichkeit, nicht nur sorgsam. Da nenne ich ihnen gerne ein Beispiel. In meiner Zeit am Konservatorium hatte ich das Glück, dass dort für mein Hauptfach, die Oboe, ein externer Dozent verpflichtet wurde. Ein exzellenter Musiker, der dies Instrument meisterlich beherrschte. Wobei „beherrschen“ eigentlich nicht ganz das richtige Wort ist. Beherrschung und Zärtlichkeit gehen nicht sehr gut zusammen.

Bei diesem Lehrer konnte ich beobachten wie er nach unseren Übungszeiten sein Instrument sorgfältig zerlegte, reinigte in weiche Tücher wickelte und es dabei zärtlich „streichelte“, bevor er es ganz behutsam in den mit Samt ausgeschlagenen Instrumentenkasten legte. Ich habe ihn einmal darauf angesprochen und bekam eine sehr beeindruckende Erklärung von ihm.

Wissen Sie,“ sagte er, „dieses Instrument gehört zu mir, es ist ein Teil meines Lebens und meiner Person geworden. Es hilft mir, mit wunderschönen Klängen Gefühle auszudrücken, Emotionen freizusetzen, die ich auf keinem anderen Weg in diese Welt tragen könnte. Wie sollte ich da wohl nicht zärtlich sein mit diesem Oboe_1wichtigen Teil meiner Selbst und meines Lebens?“ Er fuhr fort: „Dann kommt hinzu, dass ein solches, von einem Meister mit seinen Händen geschaffenes Instrument schon fast eine eigene Persönlichkeit hat. Ein Wesen, in das ihr Erbauer all seine Kunstfertigkeit, sein Geschick, viel Fleiß, Arbeit und Sorgfalt gelegt hat. Wie könnte ich das wohl anders wertschätzen, als mit behutsamer Sorgfalt und zärtlichem Umgang?

‚Donnerwetter!‘, dachte ich damals und habe dann begonnen, auch mein Instrument liebevoll und zärtlich anzusehen und zu behandeln.

Aber das nur am Rande. Unter Zärtlichkeit verstehen wir ja in der Regel mehr das, was zwischen Mensch und Mensch oder zwischen Mensch und Tier stattfindet. Ja, ja, man kann auch mit Tieren zärtlich umgehen und mitunter geben sie diese Zärtlichkeit auch zurück. Fragen sie mal einen Haustierliebhaber!

Zärtlichkeit zwischen Menschen, das kann wunderschön sein, das weiß ich noch aus den Erfahrungen mit meiner Frau. Vor der Scheidung findet ja erst einmal die Ehe statt und die ist, wenn alles gut geht, vor allem zu Anfang regelrecht angefüllt mit Zärtlichkeiten. Tragisch, wenn sie dann im Laufe der „Gewöhnungsjahre“ mehr und mehr abnehmen. Es ist kein Geheimnis, dass der Weg zum Scheitern einer Ehe oder Beziehung gekennzeichnet ist, vom langsamen Abnehmen bis hin zum völligen Verschwinden jeglicher Zärtlichkeit zwischen den Partnern.
Aber nun mal zur genaueren Klärung um was es geht. Eigentlich wollte ich Ihnen ja „klug daher kommen“, nicht, weil ich mich etwa für klug halte, sondern weil ich Begriffe gerne im „Kluge“ (Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache) auf ihre Herkunft und Bedeutung hin überprüfe. In diesem Fall war das ein Fehlschlag. Zärtlichkeit kennt der „Kluge“ überhaupt nicht und zu dem Wort „zart“ weiß er nur, dass es aus dem Mittelhochdeutschen kommt und die Bedeutung dem Adjektiv „fein“ entspricht. Herkunft unbekannt…
Es gibt glücklicherweise aber auch andere Quellen, vornehmlich im Internet, um diesem Wort ein wenig auf die Spur zu kommen. Bei meiner Suche habe ich den einen oder anderen interessanten Hinweis gefunden. Einen davon möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Körperliche Zärtlichkeit ist ja immer gleichbedeutend mit Berührung und da findet sich eine aufschlussreiche Aussage in dem medizinischen Buch „Hygiene des Geschlechtslebens“ von 1912

„Beim Manne aber führt die Befriedigung des Verlangens nach Berührung zum immer stärker anschwellenden Verlangen nach dem Vollzuge der Begattung, zu welcher ihn die inzwischen eingetretene Steifheit des Gliedes befähigt.“

Oha! In dieser Zeit, die von Prüderie und Verklemmtheit gekennzeichnet war, konnte man das wohl nicht anders ausdrücken, aber bei dieser Beschreibung kann einem schon ein bissl die Lust auf zärtliche Berührung vergehen. Das klingt alles so zielgerichtet, so zweckdienlich. Dabei ist Zärtlichkeit doch keineswegs nur ein Vehikel um auf schnellstem Wege zum „Ziel“ zu gelangen.

Ist es nicht wunderschön, mit Fingern und Händen zärtlich die Konturen der Partnerin oder des Partners nachzuzeichen, jeden Zentimeter Haut, jedes Fältchen im Gesicht und jedes Härchen vom weichen Flaum der Körperbehaarung wahrzunehmen, zu erkunden, zu streicheln und das einfach aus Liebe, Zuneigung, dem Gefühl der Zusammengehörigkeit heraus? Ich kann mich erinnern, das jedenfalls immer als eine ganz besondere Form der Kommunikation, des „Gespräches“ miteinander empfunden zu haben.

Aber ich will nicht ins Schwärmen geraten, sondern weiter diesem Wort auf der Spur bleiben. Während Wikipedia lapidar auf die Stichworte „Berührung“ und „haptische Wahrnehmung“ verweist, gibt „TheFreeDictionary“ schon ein wenig mehr preis. Dort heißt es: „Gefühl der Zuneigung, Liebkosung, meist Küsse, Umarmungen o.Ä., mit denen man jemandem zeigt, dass man ihn gern hat“ Das ist doch schon mal etwas. An anderer Stelle findet sich die Information, dass man ebenso mit „zärtlichem Blick“, mit „zärtlicher Stimme“ oder auch „zärtlichem Gesichtsausdruck“ diese Versicherung der Zuneigung transportieren kann.

656129_original_R_by_gänseblümchen_pixelio.de.babyUnd dann werden die Informationen immer dichter. Von der Schilderung, wie wichtig körperlicher Kontakt und zärtliche Berührung für Neugeborene, Säuglinge und Kinder sind, weil sie ihr Wachstum und ihre Entwicklung fördern und nebenbei auch noch ihr Immunsystem stärken, bis hin zu den interessanten Erkenntnissen zum Thema „Alter und Berührungen“. 
Letzteres interessiert mich naturgemäß besonders und ich erfahre, dass im Alter Berührungen mindestens ebenso wichtig sind, wie in jüngeren Jahren, und dass regelmäßiger, häufiger Körperkontakt bei „alten Menschen“ Heilungsprozesse beschleunigen kann, das Eintreten von Demenz verlangsamen kann, die geistige und psychische Konstitution stabilisieren, das Immunsystem stärken und ganz allgemein den Alterungsprozess verlangsamen kann.

Alle Wetter! Diese Informationen springen mich geradezu an und zwingen mir die folgende Schlussfolgerung auf: Wenn allein Berührung, einfacher Körperkontakt den Alterungsprozess verlangsamen kann, dann sollten wohl zärtliche Berührungen ein wahrer Jungbrunnen sein.

Da kann ich allen Lesern nur einen wunderschönen Tag wünschen, verbunden mit der Empfehlung: Seien Sie mal wieder zärtlich, mit der Stimme, mit den Augen, mit Worten und Berührungen und seien sie maßlos dabei. Was könnte wohl Schlimmes daraus entstehen? Sie werden sich allenfalls jünger fühlen!

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