Alles hat einen Ursprung und einen Anfang, so auch dieser Blogeintrag. Mitunter ist es ganz interessant oder gar lustig, zu wissen, wie etwas angefangen hat. Deshalb möchte ich die Ursache für meine Gedanken zu der Frage “Wer ist Gott?” nicht unerwähnt lassen.

Zu den Segnungen moderner Kommunikationsplattformen gehört es, dass man dort gelegentlich Menschen wiedertrifft, die man schon vor vielen Jahren aus den Augen verloren hatte. So traf ich bei Facebook vor einiger Zeit auf eine Spielkameradin aus Kindertagen, die mir nun eine liebe Freundin geworden ist. Im Verlauf unseres “erneut Kennenlernens” via Facebook, erfuhr ich von ihr, dass sie leidenschaftlich gern Tango tanzt. Vor kurzem dachte ich, es sei eine lustige Idee, dieser Freundin folgenden Spruch zu posten:

 Tanzen-Fußball

Aber anstatt diesen Satz einfach nur als ein scherzhaft verpacktes Kompliment für ihre Liebe zum Tanz zu sehen, nahm sie dies Sprüchlein zum Anlass, mir eine Frage zu stellen, von der ich bisher dachte, die Antwort sei doch klar. Aber wie so oft stellte sich heraus, dass manche Antworten, Einstellungen und Überzeugungen nur solange klar und eindeutig sind, solange man sie nicht anderen Menschen darstellen, erklären und begründen will.

Ihre Frage lautete:

“Ist Gott deiner Meinung nach ein er, oder eine sie, oder eine andere Energie-Form?”

Nun haben im Verlauf der Menschheitsgeschichte schon viele andere, meist klügere Köpfe darüber nachgedacht, wer oder was Gott wohl sei. Deshalb habe ich in meinem Leben, auf der Suche nach meinem ganz persönlichen “Gottesbild” viele Gedanken und Meinungen kluger Denker, Mystiker, Theologen und Philosophen erwogen, verworfen oder übernommen. Nichts, was ich auf diese Frage antworten könnte, ist also wirklich neu, besonders griffig, oder gar brillant. Ich möchte meiner lieben Freundin dennoch die Antwort nicht schuldig bleiben und nehme das auch gleich zum Anlass, mein Blog wieder neu zu beleben.

Um die Herangehensweise an meine Antwort ein bissl transparent zu machen, will ich zunächst weit zurückgreifen, 170px-Maimonides-Statueauf

Moses Maimonides (1135-1204 einflussreicher Gelehrter in rabbinischer Tradition und bedeutender jüdischer Philosoph)

Maimonides unterscheidet zwischen dem, was man unwissenden und einfachen Menschen und dem, was man Menschen mit philosophischer Bildung sagen sollte. Auf beides möchte ich mich nicht einlassen, sondern einfach nur versuchen, seine Herangehensweise an die Frage nach dem Wesen Gottes, zu einem Teil meiner Antwort machen. Maimonides war der Ansicht, dass Gott uns zwar seine Wirkungen erkennen lässt, sein Wesen aber nicht erkannt werden könne.
Ausgehend von der Annahme, dass jegliche Zuordnung von Eigenschaften aus dem Einen Gott gedanklich eine unklare Vielheit in Gott werden lässt, kommt er zu dem Schluß, dass Gott in keiner Weise ein positives Attribut zukommt und es in der Tat verneinende Aussagen sind, deren wir uns bedienen müssen, um das Denken zu dem hinzuleiten, was wir in Bezug auf Gott glauben müssen, weil aus ihnen in keiner, wie immer gearteten Weise, die Vorstellung einer Vielheit in Gott entstehen kann. Er wollte die Gottesvorstellung von allen Unreinheiten befreien und beseitigte deshalb alle positiven Wesensattribute, weil diese solche Unreinheiten enthalten. Gott ist Gott, stellt er fest, der Eine, mit nichts außer sich selbst vergleichbar. Uns seinem Wesen zu nähern, ist deshalb nur dadurch möglich, dass wir feststellen, wer oder was Gott nicht ist.

Diese Feststellung von “negativen Attributen” soll der erste Teil meiner Antwort sein. Ich beziehe mich dabei nur auf die gestellte Frage und kann sagen, was Gott in meinen Augen nicht ist.

1. Gott ist nicht “Er” oder “Sie”.

 Mann und Frau

Gott eine Geschlechtlichkeit zuzuordnen würde in meinen Augen bedeuten, ihm nicht nur Eigenschaften, sondern dadurch auch Begrenzungen zuzuordnen. Gott ist m.E. aber keinerlei Begrenzungen unterworfen.

2. Gott ist keine “Energieform”.

Energie Im Hinblick auf all die teils abstrusen Äußerungen, die esoterikbewegte, klangschalenbewaffnete Propheten eines neuen Zeitalters so in Bezug auf die verschiedensten Formen und Erscheinungen von Energie von sich geben, möchte ich – zugegeben eine wenig bissig – einfach nur konstatieren: Ich beschäftige mich hier nicht mit Elektrotechnik, Quantenphysik oder Wünschelruten!

Es gäbe noch eine Vielzahl von Dingen aufzuzählen, die ich als negative Attribute zum Wesen Gottes ansehen würde, ich will mich aber nur noch auf eine Anmerkung beschränken. In meinen Augen ist Gott auch nicht das kalte, unpersönliche Universum, das heute so gern als persönlicher “Wunscherfüller” und Wohlstandsbringer angerufen wird.

Dass wir Gott in seinen Wirkungen wahrnehmen können, ist für mich Fakt und kann allenfalls mit einer gehörigen Portion Ignoranz bestritten werden. Nun hat mein persönlicher Glaube als Christ natürlich zur Folge, dass ich Antworten auch und vor allem im Ursprung meines Glaubens suche, in den biblischen Texten. Und da löst sich für mich dann jeglicher Widerspruch auf und die einfachste, naheliegenste Antwort ist schnell gefunden. In Anbetracht unserer Unfähigkeit, Gott in all seinen Facetten, in seinem gesamten Wesen zu erkennen, ist Gott uns entgegengekommen. Im Neuen Testament findet sich der bemerkenswerte Satz Jesu:

Joh 14,9 Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater?

Wer mich sieht, der sieht den Vater! Unter der Prämisse, dass Jesus-Christus der ist, der er behauptet zu sein, nämlich Sohn Gottes (und darauf fusst jeglicher christliche Glaube), ist die Antwort klar! In Jesus-Christus wird Gott für uns erfahrbar und fassbar. Nähere ich mich ihm, seinem Leben, Denken, Streben, Wollen und Tun, so erfahre ich die größtmögliche Annäherung an Gott.
Unter jeder anderen Prämisse ist diese Aussage allerdings Makulatur, aber in diesen Gedanken geht es ja um eine, um meine persönliche Antwort auf die Frage, wer Gott ist.
Verfolge ich diesen Gedanken weiter, komme ich auch ganz schnell zu einer Möglichkeit, Gott immer mehr kennenzulernen, ihm zu begegnen. Ich will das auch an zwei Stellen aus dem guten Buch festmachen.

Mt 25,36 Ich war nackt, ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.‘

und

Mt 25,43 Ich war ein Fremder unter euch, aber ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich war nackt, aber ihr wolltet mir nichts zum Anziehen geben. Ich war krank und im Gefängnis, aber ihr habt mich nicht besucht.‘

Hier sagt Jesus-Christus nichts anderes, als dass er uns in Gestalt der Armen, der Kranken, Gefangenen und Fremdlinge begegnen will. Da bietet sich dann ein ganz und gar unphilosophischer, praktischer Weg Gott näher zu kommen.

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