Über das Glück, was es ist und wie es zu erlangen sei, darüber hat wohl jeder schon einmal nachgedacht. Manche Ergebnisse solcher Denkvorgänge muten ein wenig seltsam an.

Seit einiger Zeit bekomme ich in unregelmäßigen Abständen Infomail von Sandra. Nur um das gleich klarzustellen: Sandra ist eine sympathische, aufrichtige, schätzenswerte Person, mit der ich auf beruflicher Ebene eine Zeit lang zu tun hatte. Mir liegt also nichts ferner, als Sandra in irgend einer Weise zu verunglimpfen. Die Inhalte ihrer Mail sind einfach nur symptomatisch für eine seltsame Begriffsverwirrung, die in den letzten Jahren immer mehr Raum greift.

GlückFinderKinder Da gibt es “Glücksworkshops” für Kinder, sprich Zeltlager mit schönen Freizeitaktivitäten und einer täglichen Stunde Glückstraining, in denen sie zu  “GlücksFinderKindern” geschult werden.

Eine Ausbildung zum Glücksbotschafter wird angeboten und Glückfindungs-Seminare stehen unter dem Motto:

“Sie wollen täglich Glücksgefühle erleben? Dann tun Sie etwas dafür!”

Da sind wir dann auch schon beim Kern der Sache angelangt. Wo immer von Glück die Rede ist, wird dieser Begriff recht schnell mit “Glücksgefühlen” gleichgesetzt.
Ein wenig googeln und es wird klar, dass mittlerweile durchgängig Glück und Glücksgefühle verwechselt werden.
Ob es eine Website mit “Psychotipps” ist, auf der Glücksrezepte empfohlen werden, die Seite eines unabhängigen “Altersvorsorge-Beraters”, der Glück mit Glücksgefühlen gleichsetzt, ein interessanter Artikel bei der “WELT-ONLINE”, eine Veröffentlichung bei “Bild der Wissenschaft” oder die Erkenntnisse eine Autoren bei “SPIEGEL ONLINE”, der sich mit Botenstoffen, Gehirnfunktionen und Drogen beschäftigt – bei allen findet die gleiche Begriffsvermengung statt.

Glück = Glücklichsein = Glücksgefühle

Nun will ich dem geneigten Leser nicht länger vorenthalten, was schon in der Überschrift angekündigt ist, den KLUGEn.Kluge

Der Kluge” ist ein etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache und eines der meistfre-quentierten Bücher in meiner Bibliothek. Wer – wie ich – Sprachgenauigkeit zu schätzen weiß, der kommt oft nicht umhin, sich über genauen Ursprung und die – sich oft wandelnde – Bedeutung eines Wortes Klarheit zu verschaffen. Nachdem mir der Gebrauch des Wortes “Glück” in der letzten Zeit immer suspekter wurde, habe ich also meinen “Kluge” zu Rate gezogen um sicherzustellen, dass ich mit meinen Ansichten über Inhalt und Bedeutung dieses Wortes richtig liege.
Der Einfachheit halber zitiere ich nachfolgend mal aus Wikipedia, da die Eintragung bei Wiki in etwa mit “dem Kluge” übereinstimmt.

“Das Wort „Glück“ kommt von mittelniederdeutsch gelucke (ab 12. Jahrhundert) bzw.mittelhochdeutsch gelücke. Es bedeutete „Art, wie etwas endet/gut ausgeht“. Glück war demnach der günstige Ausgang eines Ereignisses.”
Der Kluge hat hier noch den ergänzenden Hinweis auf die Bedeutungsübertragung aus dem Altfranzösischen destinée = Festsetzung, Bestimmung, Beschluß und andererseits “christliches Fatum” ins Altniederfränkische gilukki = beschließen, festsetzen, bestimmen, das in den mittelniederdeutschen Begriff gelucke (geluc) eingeflossen ist.

Glück bedeutet demnach, dass etwas gelingt, den günstigen Ausgang oder das gute Ende eines Ereignisses.

Da stellt sich mir die Frage, inwiefern das nun zwingend mit Glücksgefühlen zusammenhängt? Natürlich können das glückliche Ende eines Ereignisses oder das Gelingen eines Vorhabens, oder das Erreichen eines vorgenommenen Zieles auch Glücksgefühle hervorrufen – keine Frage. Aber “Glücksgefühle” sind eben nicht “Glück”! Glücksgefühle erlebt auch ein Junkie wenn die Wirkung seiner Droge einsetzt.
Scheinbar sind wir auf dem besten Wege eine Gesellschaft von Glückgefühlsüchtigen zu werden, für die die Ausschüttung von Endorphinen das höchste anzustrebende Ziel ist. Wenn “Sandras GlücksFinderKinder” bei ihrem Glückstraining lernen, dass es ein erstrebenswertes Ziel höchster Priorität sei, den ganzen Tag Glücksgefühle zu verspüren und “das Glück” schlechthin sei es, sozusagen mit einem blödseligen Grinsen im Gesicht durch das Leben zu gehen, so halte ich das sogar für bedenklich.

Was Glück, also der günstige Ausgang eines Ereignisses” oder das Gelingen eines Planes, das Erreichen eines Zieles sein kann, das kann für den Einzelnen sicher sehr unterschiedlich sein. Für den einen können es eine gelungene Ehe, gesunde Kinder, Erfolg im Job, ein schönes Haus oder gar ein Lottogewinn sein, für den anderen sind es vielleicht schon die warme Wohnung und die regelmäßigen Mahlzeiten. Wir alle streben auf die eine oder andere Art nach dem, was für uns Glück bedeutet – das ist nur natürlich und richtig. Die Sucht nach einem permanenten “Highsein”, ist es sicher nicht.

Im guten Buch finde ich eine überdenkenswerten Hinweis darauf, wie Glück zu erlangen ist:

“8 Wenn du deinen Verstand schärfst, tust du dir selbst etwas Gutes; wenn du deiner Einsicht folgst, findest du das Glück.”
(Sprüche 19:8)

In diesem Sinne wünsche ich meinen geschätzten Lesern viel Glück!

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2 Kommentare zu „Der Kluge und das Glück

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