Nach der Krise ist vor der Krise, so sagt man, und es führt kein Weg an der zwingenden Logik dieses Satzes vorbei. Man muss kein Prophet sein um zu sehen, dass die Wirtschafts- und Finanzmarktprobleme hierzulande, in Europa und weltweit noch lange nicht ausgestanden sind. Eine teuer erkaufte Atempause – das ist es, was Wirtschafts- und Finanzfachleute weltweit zu prognostizieren vermögen, mehr nicht.

Börsensaal Wird diese Atempause genutzt umzudenken, die bestehenden Systeme einer grundlegenden Überprüfung zu unterziehen und allfällige Änderungen herbeizuführen? Ich befürchte, leider nicht!
Griechenland, Portugal und mit ihnen eine Reihe von weiteren europäischen Ländern, stehen vor schier unlösbaren Finanzproblemen und an den Börsen dieser Welt werden ganz ungeniert Wetten auf ihre Zahlungsunfähigkeit abgeschlossen. Da wird wieder munter weiter mit undurchschaubaren Finanzkonstrukten und zweifelhaften Papieren gezockt und Milliardensummen werden aufs Spiel gesetzt.

Ein wenig erinnert mich das alles an die kleine Geschichte eines Jugendfreundes, der als Lehrling von seinem Meister zum Eisenwarengroßhändler geschickt wurde, um “Siemens-Lufthaken” zu kaufen. Noch heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, wie er verschämt erzählte, dass der Meister und die Gesellen in seiner Firma noch wochenlang brüllend lachten, wann immer sie sich daran erinnerten, wie er vom Eisenwarengroßhändler mit einem leeren Karton zurückgeschickt wurde.

Jetzt wird sich der geneigte Leser vielleicht so langsam fragen: Was will er uns denn nun eigentlich sagen? Nun, der eigentliche Grund für meine Zeilen liegt in einem Gespräch, dass ich kürzlich mit einem guten Freund führte. Darin ging es um meine Pläne, einen beruflichen Neustart auf selbstständiger Basis zu wagen. Seine erste Frage – mit Blick auf die wirtschaftliche Situation – war:”Glaubst du, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, ein solches Wagnis einzugehen?” Ich muss zugeben, diese Frage hatte mich bis dahin nicht sonderlich beschäftigt. Ich war der Ansicht: Irgendwo auf der Welt ist immer gerade Krise und irgendwo wird immer gerade Geld verdient.
Das mag natürlich so sein, aber ich lebe ja nicht “irgendwo”, sondern hier. Wie sieht es hierzulande aus mit den Möglichkeiten und Chancen, in der jetzigen Situation, erfolgreich ein Geschäft aufzubauen?

eisverkaeuferZu einem guten Geschäftsplan gehört natürlich, die Möglichkeiten, den Bedarf und auch die Schwächen und Stolperfallen eines anvisierten Marktes möglichst genau einzuschätzen. Im tiefsten Winter einen Verkaufswagen anzuschaffen, um damit in den Straßen italienisches Eis anzubieten hat wenig Sinn, das weiß sicher jeder. An sich ist italienisches Eis ja ein gutes, beliebtes Produkt, wenn man es zum richtigen Zeitpunkt anbietet. Bei diesem Produkt ist es relativ leicht, eine Antwort auf die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zu finden. Bei anderen Produkten und Dienstleistungen ist diese Frage nicht so leicht zu beantworten. Ich habe für mich zwei grundlegende Antworten gefunden:

  • Wenn der Bedarf für ein Produkt oder eine Dienstleistung erkennbar ist, dann ist der richtige Zeitpunkt immer “jetzt”. Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen mögen sich verändern, Menschen werden jedoch immer konsumieren. Seit die Menschheit das autarke, ländliche Leben zugunsten einer Arbeitsteilung mit gegenseitigen Verflechtungen und Abhängigkeiten aufgegeben hat, ist das ein Fakt.
  • Wenn die Zeit für eine Idee, eine Entwicklung oder ein neues Produkt reif ist, dann werden sie sich durchsetzen.

Ich weiß aus meinem persönlichen Umfeld, dass viele Menschen vor der Frage stehen, wie sie auf die verschärften Bedingungen am Arbeitsmarkt reagieren können, und ob nicht vielleicht der Schritt in die Selbstständigkeit die richtige Antwort sein könnte. Natürlich gibt es das Ängste, Zweifel und Unsicherheiten.
Die habe ich auch! Und damit komme ich nun (endlich, wird mancher vielleicht sagen) zum eigentlichen Punkt. Ich gehöre zu den Menschen, die ihren Mut in einer inneren Gewissheit finden. Eine Gewissheit, die trägt, Vertrauen gibt und alle situationsbedingten Unsicherheiten relativiert. Ich möchte diese Gewissheit mal mit den Worten Karl Barths ausdrücken:

Karl Barth

Am 9. Dezember 1968, dem Abend vor seinem Tod, telefonierte der evangelische Theologe Karl Barth mit seinem Freund Eduard Thurneysen und gab ihm als Vermächtnis mit: „Ja, die Welt ist dunkel…… Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her! Gott sitzt im Regimente! Darum fürchte ich mich nicht. Bleiben wir doch zuversichtlich auch in den dunkelsten Augenblicken! Lassen wir die Hoffnung nicht sinken, die Hoffnung für alle Menschen, für die ganze Völkerwelt! Gott lässt uns nicht fallen, keinen einzigen von uns und uns alle miteinander nicht! – Es wird regiert!“

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht?

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