Vertrauen ist nicht nur eine der wichtigsten Zutaten für zwischenmenschliche Beziehungen, Vertrauen ist auch ein mächtiges Instrument der Menschenführung. Damit erzähle ich dem geneigten Leser sicher nichts Neues.

Keine Belohnung, kein Versprechen, keine Drohung und kein Appell an die Vernunft haben eine so motivierende und verpflichtende Wirkung, wie das ausdrücklich gegebene Vertrauen. Wann immer ich, in meiner Zeit als Vertriebsleiter und später als Geschäftsführer, eine Geschäftsreise anzutreten hatte, wichtige Termine außer Haus anstanden oder eine Messeeröffnung meine Anwesenheit erforderlich machte, Vertrauen war die Kontrollinstanz, die ich wirkungsvoll hinterlassen konnte.Vertrauen übertragen
”Ich vertraue ihnen die Firma an und bin sicher, sie werden alles zum Nutzen unseres Unternehmens im Griff haben.” Sinngemäß so oder anders formuliert, war das eine öffentliche, ausdrückliche Übertragung meines Vertrauens auf einen bestimmten Mitarbeiter oder eine Gruppe von Mitarbeitern, die ihre Wirkung nie verfehlt hat. Auch bei Aufgaben, die unter Zeitdruck zu einem bestimmten Termin oder mit einem bestimmten Ergebnis zu erledigen waren, hat es sich bewährt, einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin ausdrücklich mein Vertrauen auszusprechen. “Sie werden das bis zum Termin schaffen, ich habe in dieser Sache vollstes Vertrauen zu ihnen.” Das ist nur ein kleiner Satz mit wenigen Worten, aber mit großer Wirkung.

Wir Menschen wollen, dass andere uns vertrauen, und wir wünschen uns sehnlichst, anderen vertrauen zu können. Menschen, denen es schwer fällt, anderen zu vertrauen, leiden meist sehr darunter.
Ob in einer Partnerschaft, in Familie, Verein, Firma oder Partei, erst gegenseitiges Vertrauen schafft eine Atmosphäre, die uns entspannt aufeinander zugehen und fruchtbar zusammenarbeiten lässt.

Ich erfahre diese “Macht des Vertrauens” immer wieder auch an mir selbst. Wenn eine meiner 6jährigen Zwillingstöchter vertrauensvoll ihre kleine Hand in meine legt, sich an mir festhält wenn es schwierig wird oder mir – voller Vertrauen darauf, dass ich Verständnis haben werde, dass meine Liebe größer ist, als aller Ärger, – davon berichtet, was sie falsch gemacht hat oder was ihr misslungen ist, dann möchte ich dies Vertrauen um nichts in der Welt enttäuschen.
In diesem kindlichen Vertrauen sehe ich übrigens eine Parallele zu meinem Glauben an Gott. Ich vertraue fest darauf, dass Gott mich nicht im Stich lässt, und ich weiß, dass er mich nicht enttäuschen wird. In der Bibel gibt es einen wunderschönen Vers dazu:
Würde jemand von euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es um ein Stück Brot bittet? Oder eine giftige Schlange, wenn es um einen Fisch bittet?  Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten! (MT 7,9-11)

Kürzlich las ich eine kleine Geschichte, die mir in Bezug auf mein Vertrauen einiges zu sagen hatte:

betendes KindEin Junge kommt eines Tages zu seinem Vater und bekennt ihm kleine Fehler. Der Vater verspricht ihm, dass damit alles gut ist. Dann beten sie zusammen.  Der Junge betet: “Vater im Himmel, lass mich so groß und stark werden wie mein Vater. Du kannst mir alle Schwächen vergeben. Ich bitte dich darum!”  Abends, als der Junge im Bett ist, betet auch der Vater: “Vater im Himmel, lass mich so klein und vertrauensvoll werden wie mein Kind!”

Natürlich ist im Geschäftsleben Vertrauen, das ich bewusst jemandem ausspreche, nicht identisch mit diesem kindlichen, liebevollen Vertrauen. Dennoch haben beide Arten von Vertrauen eine Gemeinsamkeit: Sie sind wichtig, und sie sind mächtig.

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7 Kommentare zu „Die Macht des Vertrauens

  1. Hallo Sec :-),

    danke für diesen Beitrag, der mir aus der Seele spricht.

    Mitarbeiter, denen kein Vertrauen entgegen gebracht wird – aus welchem Grund auch immer – neigen auch häufig zu Selbstzweifeln, zu großen Teilen verursacht durch den „Kontrollzwang“ einiger Führungskräfte;
    was das auf der motivatorischen Ebene bewirkt, ist klar.
    Beruflich wie auch privat entsteht dann irgandwann eine „ist doch eh egal, was ich mache“-Einstellung.
    Also, mehr Vertrauen, mehr los lassen.

    Grüße aus Wipperfürth,
    Lars

    1. Danke für deinen klugen Kommentar, lieber Lars. 🙂

      Ich sehe, genau wie du, den engen Zusammenhang zwischen Vertrauen und Motivation. Das Ergebnis mangelnden Vertrauens seitens der Führungskräfte, ist in manchen Unternehmen sehr deutlich am Erfolg ablesbar. Ich denke, du bist sicher Spezialist, wenn es um den Stellenwert von Vertrauen in der Kundenbeziehung, ja, bei jedem Verkaufen schlechthin, geht. Da ist eine Vertrauensbasis unverzichtbar!

      Übrigens findest du bei Mario Tosani gerade ein sehenswertes Beispiel davon, was Vertrauen bewirken kann http://tosani.over-blog.de/article-geschichte-ohne-worte-ein-kino-44962293.html Wenn man sich ein wenig zurückklickt, über den Link zum „Entführungsfall“, stellt man fest, dass Mario sehr Lesenswertes zum Thema Vertrauen geschrieben hat.
      Dein Kommentar gibt mir die Gelegenheit, zu meinen Beispielen vom „ausdrücklichen Aussprechen von Vertrauen“ noch etwas anzumerken: Natürlich war nicht immer alles perfekt, was Mitarbeiter „meines Vertrauens“ abgeliefert haben. Auch meine Leistungen waren und sind nicht immer perfekt. Aber jeder, dem ich dies ausdrückliche Vertrauen entgegengebracht habe, hat zweifelsohne sein Bestes getan, ist bis an seine Grenzen gegangen. Mehr kann man nicht erwarten, und ich wüßte nicht, mit welchen anderen Mitteln diese Leistungsbereitschaft sonst zu erreichen gewesen wäre.

      Grüßle, Sec

  2. Ein berührender Blogbeitrag, vielen Dank dafür. Für mich selbst ist Vertrauen die Grundlage des befreiten Seins und Handelns. Alles dem ich Vertrauen entgegenbringe kann sich zu meinem und zum Wohle des Ganzen formen und entwickeln. In diesem Urvertrauen zu leben und mit diesem Wissen zu sein, ist ein unglaublich befreiendes und leichtes Gefühl.
    Herzliche Grüße
    Mariella

  3. Danke, liebe Mariella!

    Diese Grundhaltung spürt man dir ab und sie macht dich so wohltuend authentisch in deinen Worten und Taten.

    Grüßle, Sec

  4. Danke für diesen wichtigen inspirierenden und berührenden Artikel.

    Was die Unternehmen betrifft, so fordern sie auf der einen Seite Elan und Veränderung, aber stehen sich selbst im Weg und bleiben in alten Denkschablonen stecken. Was wir brauchen sind Sinnstiftende Ideen anstellen von Vorschriften, Kooperation statt Hierarchie und Führung mit dem Ziel andere Menschen zu befähigen selbständig zu arbeiten, Ihnen das Vertrauen aussprechen.

    „Zwei Dinge verleihen der Seele am meisten Kraft: Vertrauen auf die Wahrheit und Vertrauen auf sich selbst.“ wusste schon Lucius Annaeus Seneca.

    Für mich ist „Vertrauen“ eine eigenständige Währung. Und ich zahle gern in dieser Währung.

    Ich möchte mich gern Mariellas Beitrag anschließen, die so wohltuend zusammenfasste, das Vertrauen zum Wohle des Ganzen geformt werden kann.

    Behalten wir uns dieses befreiende und leichte Gefühl, denn Vertrauen ist mächtig.

    Grüße aus Hamburg

    Stefan

    1. Hallo Stefan!

      Herzlich willkommen hier zwischen meinen Notizzetteln 😉

      „Für mich ist “Vertrauen” eine eigenständige Währung. Und ich zahle gern in dieser Währung“

      Dieser Satz hat es in sich – großartig, danke!

      Grüßle, Sec

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