“Es war einmal ein Prinz, weit drüben im Märchenlande. Weil der nur ein Träumer war, liebte er es sehr, auf einer Wiese nahe dem Schlosse zu liegen neuschwansteinund träumend in den blauen Himmel zu starren. Denn auf dieser Wiese blühten die Blumen größer und schöner als sonstwo. Und der Prinz träumte von weißen Schlössern mit hohen Spiegelfenstern und leuchtenden Söllern.
Es geschah aber, dass der alte König starb. Nun wurde der Prinz sein Nachfolger. Und der neue König stand nun oft auf den Söllern seines weißen Schlosses mit den hohen Spiegelfenstern. Und er träumte von einer kleinen Wiese, wo die Blumen größer und schöner blühten als sonstwo.”

Dieses Märchen von Berthold Brecht erinnert uns daran, dass wir das Glück immer dort vermuten, wo wir nicht sind. Immer das, was andere haben oder woanders ist, an anderen Orten, mit anderen Menschen, in einem anderen Beruf oder einem anderen Land, wäre das Glück.
So sind wir mehr vom Fehlenden bestimmt als von dem Vorhandenen erfüllt. Die Macht des Fehlenden gewinnt über uns eine traurige Gewalt. Wir übersehen das Glück, das wir haben, indem wir von dem Glück träumen, das woanders wohnt. So betrügen wir uns selbst um ein fröhliches und dankbares Leben. Lassen wir uns von der Macht des Fehlenden erlösen und zu einem Blick für das Vorhandene befreien.

 

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2 Kommentare zu „Der Traum vom Glück

  1. Das Ding ist, dass wir das leider immer wieder vergessen und uns irgendwo anders hinträumen…. wo es doch so toll sein muß!
    Ich denke es ist ne tägliche Übung sich immer wieder ins Hirn zu rufen im hier und jetzt glücklich zu sein, denn irgendwas ist immer gut, auch wenn das blöde manchmal überwiegt!
    Guter Gedanke Sec!
    Gruß
    Frau Punk

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