Seit einigen Monaten gehöre ich zurtwitter_icon
Twittergemeinde. (Anmerkung an meine lieben Freunde aus der Christenfraktion: Nein, das ist keine neue Sekte!) Links in die Leiste eingebettet (ja, genau dort links, bissl tiefer noch…) sind immer meine letzten Tweets zu lesen. Dass mir dies Gezwitscher Spaß macht, habe ich ja schon an anderer Stelle vor einiger Zeit mal erwähnt.
Zwischenzeitlich sind viele Wochen vergangen und es wäre an der Zeit, einmal ein rückblickendes Fazit zu ziehen.
Da aber andere, klügere Köpfe sich schon lange zuvor sehr viele Gedanken über das “Twitterphänomen” gemacht haben, und kluge, witzige, einsichtige, umsichtige, ja sogar brillante Texte dazu veröffentlicht haben, will ich mich auf einige kurze Anmerkungen beschränken.

Grundsätzlich hängt die Größe des Spaßfaktors für mich direkt mit der Entscheidung zusammen, wem ich bei Twitter folgen, wessen Gezwitscher ich mir also dauernd antun will. Das kann zu einem Griff ins Klo geraten, kann aber auch eine tägliche Bereicherung im nichtmonetären Sinne werden. Spaßtwitterer, Kreative jeglicher Couleur, Networkbuilder, Newshunter, Weltanschauungsprediger, Metaphern- und Zitatesammler, Wertkonservative Mahner, Baggerfahrer, Testosteronjunkies, Pfauen, Gänse, Luxusweibchen, gelangweilte Hausfrauen, Marketingexperten, tatsächliche und selbsternannte Twitterspezialisten, Trainer, Geistreiche und Geistlose, einfach alle sind dort zu finden. Und unter allen habe ich nette Kontakte finden können!
Ein bissl problematisch wird’s bei den professionellen Werbern in eigener oder fremder Sache. Da nehme ich oft sehr schnell wieder Abstand, denn manche Werbebotschaften im 5 Minuten Takt – meist auch noch automatisch verschickt – sind eine Überdosierung der eher unerträglichen Art.
Was mir aber in den letzten Monaten stark ins Auge gefallen ist, das sind die vielen Ratschläge, die immer mit einer Nummerierung einhergehen.

Da werden mir 5 wichtige Regeln für den Umgang mit Kunden empfohlen. Die 10 goldenen Regeln für Vorgesetzte, oder die 12 Basics für moderne Marketingstrategien, werden eingerahmt von den 20 häufigsten Fehlern und den 8 wichtigsten Strategien. Kaum zu überbieten sind natürlich die 100 Topadressen, oder die 5 wichtigen Warums als dringende Empfehlung. 3 wichtige Voraussetzungen stehen im direkten Wettbewerb mit 4 einfachen Methoden, die auch meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. Die 18 hilfreichen Hinweise streiten mit den 6 grundlegenden Voraussetzungen munter um meinen Klick und müssen dabei auch noch versuchen, sie 15 Superangebote zu überflügeln.
Was bewegt all diese verkappten Numerologen? Was veranlasst sie, genau diese und keine andere Zahl auszuwählen und zu verkünden? Bei den kleineren Zahlen ist die Motivation vielleicht schlicht die Hoffnung, dass ich eher geneigt sein werde, diese Auflistung zu lesen, weil mir der Zeiteinsatz zunächst gering scheint. Natürlich läuft ein Anbieter von Ratschlägen oder Empfehlungen im einstelligen Bereich aber auch immer Gefahr, dass ihm Einfallslosigkeit oder nicht genügend Gründlichkeit unterstellt werden. Bei den größeren Zahlen drängt sich andererseits der Verdacht auf, dass der Verwender mit schierer Masse überzeugen will und daher vielleicht weniger Klasse zu bieten hat. gebotstafeln

Wie dem auch sei, ich will mich nicht beklagen. Schließlich war es Gott, der ganz zu Anfang schon mit dieser Zählerei begonnen hat. Die 6 Schöpfungstage (+1 Ruhetag) oder die   10 Gebote sind die ersten belegten Zeugnisse dafür, wie diese Nummeriererei ihren Anfang genommen hat.

Die 7 Todsünden sind mir allerdings, außer natürlich bei der Katholischen Kirche, bisher noch nicht untergekommen. Aber ich befürchte mal, das ist nur eine Frage der Zeit.

Auch eine der Erkenntnisse, die mir meine Twitterei in den vergangenen Monaten eingebracht hat: Selbst Dinge, die auch nur zu denken mir schwerfiele, werden dort ganz selbstverständlich ausgesprochen. Ob sich das, auf Dauer gesehen, als kultureller Gewinn wird verbuchen lassen, bleibt abzuwarten.

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Ein Kommentar zu „Die sieben Todsünden

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