Hermann Löns

Der Heidedichter Hermann Löns (1866 – 1914) entsprach nie so ganz meinen Vorstellungen von einem Liederdichter, mit dem ich hätte etwas anfangen  können. Was ich von ihm kannte, entsprach vollkommen meiner Vorstellung von verabscheuenswürdiger Schmalzigkeit. Gewiss, wenn seine Lieder aus den Lautsprechern des Plattenspielers meiner Eltern klangen, fand ich manche der Melodien durchaus  ansprechend, aber die Texte reizten mich eher zum Lachen. “Rosemarie, Rosemarie, sieben Jahre mein Herz nach dir schrie..” klang aber auch zu komisch für jemanden, der eher geneigt war, den Klängen und Texten von Jimmy Hendrix, Bob Dylan, John Lennon oder Pink Floyd sein Ohr zu leihen. Kürzlich sind mir jedoch ein paar Zeilen von Hermann Löns untergekommen, die mich durchaus beeindruckt haben:

Ich weiß ein Land, in dem ich niemals war;
Da fließt ein Wasser, das ist silberklar,
Da blühen Blumen, deren Duft ist rein,
Und ihre Farben sind so zart und fein…
Auch singt ein Vogel in dem fernen Land
Er singt ein Lied, das ist mir unbekannt;
Ich hört’ es nie und weiß doch wie es klingt,
Und weiß es auch, was mir der Vogel singt;
Das Leben singt er, und er singt den Tod,
Die höchste Wonne und die tiefste Not,
Jedwede Lust der Zeit, das Weh der Ewigkeit…
Erreiche ich das ferne, fremde Land,
Dann blüht das Lebensmal in meiner Hand;
Wenn nicht, dann sang der Vogel nur von Tod,
Sang mir ein Leben, bitter und voll Not.

Da klingt durch, was in den verschiedensten Religionen und Dichtungen zum Ausdruck gebracht wird: Die Sehnsucht nach dem Ewigen.

In der Bibel, Prediger 3,11 (Neues Leben Übersetzung) findet sich folgender Vers:  “Gott hat allem auf dieser Welt schon im Voraus seine Zeit bestimmt, er hat sogar die Ewigkeit in die Herzen der Menschen gelegt.”

Daher schrieben wohl Dichter und Songtexter aller Zeiten, auch wenn sie nichtEwigkeit  vom christlichen Glauben herkamen, von einer, in uns allen wohnenden, Ahnung und Sehnsucht nach der Ewigkeit. Auch heute noch, in aktuellen Songs von Rock, über Pop bis Hip Hop findet sich der Begriff Ewigkeit in vielen Texten. Ich bin sicher, dahinter steckt mehr als nur der Selbsterhaltungstrieb selbstorganisierender biologischer Systeme. Die Sehnsucht nach der Ewigkeit, ist die Sehnsucht nach dem Unvergänglichen, dem Göttlichen, die Gott selbst in uns Menschen angelegt hat. In diesem Sinne besteht selbst zwischen dem Heidedichter Hermann Löns und mir eine enge “Seelenverwandtschaft”.

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Ein Kommentar zu „Ewigkeitsahnung

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